Hintergrund

Hautkrebs: Impfstoff-Entwicklung kommt nur langsam voran

Beim Melanom sind nur langsam erste Erfolge der Immuntherapie zu verzeichnen. Ohne Impfverstärker geht es wohl nicht.

Philipp Grätzel von GrätzVon Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:
Ein superfiziell spreitendes Melanom der Haut. Es ist die häufigste Variante des Melanoms und kommt meist bei Erwachsenen vor.

Ein superfiziell spreitendes Melanom der Haut. Es ist die häufigste Variante des Melanoms und kommt meist bei Erwachsenen vor.

© klaro

Mit den unterschiedlichen Ansätzen für die therapeutische Impfung beim Melanom ließe sich mittlerweile problemlos ein Kurzlehrbuch füllen. Doch für Patienten mit metastasiertem oder lokal fortgeschrittenem Melanom ist noch kein Durchbruch erzielt worden. "Es gab viele Enttäuschungen in klinischen Studien", betonte Professor Giorgio Parmiani von der San Raffaele Foundation in Mailand. Auch wenn jüngste Daten Auftrieb gebracht hätten, so gebe es doch weiterhin gute Gründe "für zurückhaltende Erwartungen", so Parmiani beim Europäischen Forum Onkologie 2010 in Berlin.

Den von Parmiani diagnostizierten Auftrieb für die therapeutische Impfung beim Melanom brachte eine Phase-III-Studie im vergangenen Jahr. An der Studie nahmen 185 Patienten mit metastasiertem Melanom an 21 Krebszentren teil. Die Patienten erhielten eine Vakzine gegen das Glykoprotein gp100, gefolgt von hoch dosiertem Interleukin 2, oder nur hoch dosiertes Interleukin 2.

Der gp100-Impfstoff ist eine Peptidvakzine, die in kleineren Studien bereits geprüft worden ist - mit zumindest teilweise positiven Ergebnissen. "Der Unterschied bei dieser neuen Studie war, dass die Vakzine mit einem immunmodulatorischen Agens kombiniert wurde", betonte Parmiani. Der Immunmodulator - hier Interleukin 2 - könnte das Immunsystem dazu bringen, eine ausgeprägtere T-Zell-Immunantwort gegen gp100 zu generieren, so das Konzept.

Aus den Studienergebnissen geht hervor, dass an dieser Hypothese etwas dran sein könnte. "Es gab zum ersten Mal in einer Phase-III-Studie beim Melanom eine signifikante Verbesserung des progressionsfreien Überlebens durch eine Vakzine", so Parmiani.

In der Kontrollgruppe lebten die Patienten im Median 1,6 Monate ohne Fortschreiten der Erkrankung. In der Vakzine-Gruppe waren es fast 3 Monate. Auch bei der Ansprechrate wurde das Signifikanzniveau mit 22,1 Prozent versus 9,7 Prozent erreicht. Beim Parameter "Gesamtüberleben" gab es einen Trend zugunsten der Vakzine: Die Patienten lebten im Median 17,6 und in der Kontrollgruppe 12,9 Monate.

Der Grund, warum Parmiani angesichts der Ergebnisse dennoch zur Zurückhaltung rät, ist die Verträglichkeit. "Die Toxizität war sehr hoch", so der Experte. Er schlug deswegen vor, über andere immunmodulatorische Agenzien nachzudenken, die nicht die unerwünschten Wirkungen einer hoch dosierten Interleukin 2-Therapie haben. Etwas komplexer geworden ist die Situation bei der gp100-Vakzine durch eine an sich sehr erfolgreiche Studie, die bei der Krebstagung ASCO 2010 vorgestellt wurde.

In der Phase-III-Studie wurde die Wirksamkeit des CTL-A4-Antikörpers Ipilimumab mit der gp100-Vakzine und mit einer Kombination aus beidem verglichen. CTL-A4 ist ein regulatorisches Antigen auf T-Zellen. Die Patienten in beiden Ipilimumab-Gruppen lebten im Median signifikant vier Monate länger als Patienten der gp100-Vakzine-Gruppe - ein echter Durchbruch beim fortgeschrittenen Melanom.

Die Forscher hätten in der Kombigruppe jedoch gerne einen größeren Effekt gesehen als bei Ipilimumab-Monotherapie: "Ipilimumab kann durchaus als ein immunmodulatorisches Agens angesehen werden, das Impfwirkungen verstärkt", so Parmiani. Warum es dennoch keinen Zusatznutzen für die Patienten gab, die außer Ipilimumab noch die gp100-Vakzine bekamen, muss nun analysiert werden.

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