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PRESIDENTIAL CORNER KONGRESSPRÄSIDENT RAINER KOLLOCH ZUM 115. DGIM-KONGRESS IN WIESBADEN

"Herzfrequenz ist ein Maß fürs Infarktrisiko"

Je höher die Herzfrequenz, umso schlechter: Über einem Ruhepuls von 75 pro Minute ist das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse bei KHK und Hypertonie deutlich erhöht, so Professor Rainer Kolloch, Präsident des DGIM-Kongresses.

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Auch Pulsmessen ist bei KHK wichtig.

Auch Pulsmessen ist bei KHK wichtig.

© Foto: Blue-Foxwww.fotolia.de

Ärzte Zeitung: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu bewerten und in das bestehende System der Patientenversorgung einzuordnen - das ist für Sie, Herr Professor Kolloch, eine wesentliche Aufgabe des Internistenkongresses. Ein Beispiel dazu?

Professor Rainer Kolloch: Ein Beispiel ist hier der neue Stellenwert, den die Herzfrequenz-Messung bei der Beurteilung des kardiovaskulären Risikos einnimmt. In einer eigenen Studie etwa, die im vergangenen Jahr im "European Heart Journal" veröffentlicht worden ist, haben wir beobachtet, dass bei Patienten mit Hypertonie und KHK, die einen Puls über 75 hatten, das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse deutlich erhöht war.

Kürzlich ist dieser Zusammenhang ja auch bei Frauen bestätigt worden. Nach einer Analyse der Daten von Frauen mit Herzinfarkt oder plötzlichem Herztod im Vergleich zu Frauen in der Postmenopause ohne ein solches Ereignis hatten Frauen mit einer Pulsrate ab 76 pro Minute ein um 26 Prozent höheres Risiko für ein koronares Ereignis als Frauen mit einer Pulsrate von 62 oder weniger.

Ärzte Zeitung: Welche pathogenetischen Zusammenhänge werden hier diskutiert?

Kolloch: Herzfrequenz ist ja ein Indikator für die Sympathikus-Aktivität. Und je stärker ausgeprägt diese ist, um so stärker wird wohl auch die Organschädigung akzeleriert und umso häufiger sind auch kardiovaskuläre Ereignisse, etwa Herzrhythmusstörungen oder plötzlicher Herztod. Das sind wahrscheinlich die Zusammenhänge.

Ärzte Zeitung: Die Konsequenz für die tägliche Praxis?

Kolloch: Die Pulsfrequenz ist ein einfach zu erfassender Parameter, den man bei der Bewertung des kardiovaskulären Risikos mit berücksichtigen sollte.

Auch für die Therapie hat die Pulsfrequenz Konsequenzen: So ist es etwa für eine Therapie weniger günstig, wenn bei von vornherein hoher Herzfrequenz durch eine antihypertensive Therapie zwar der Blutdruck gesenkt wird, reflektorisch aber die Herzfrequenz steigt. (mal)

 

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