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Antibiotika in der Schwangerschaft

Höheres Asthmarisiko fürs Kind?

Die Einnahme von Antibiotika in der Schwangerschaft steht im Verdacht, das Asthmarisiko des Kindes zu erhöhen. Eine schwedische Studie liefert jetzt neue Daten, die Klarheit bringen könnten.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:

STOCKHOLM. In den vergangenen Dekaden ist zum einen die Asthmainzidenz bei Kindern stark gestiegen, auf der anderen Seite auch der Antibiotikaverbrauch.

Forscher befürchten, dass Antibiotika in der Schwangerschaft oder im Säuglingsalter die Darmflora schädigen und dadurch allergische und asthmatische Reaktionen begünstigen.

Tatsächlich gab es in der Vergangenheit einige Studien, die eine erhöhte Asthmarate bei Kindern unter Antibiotikaexposition festgestellt haben. Ob es hier jedoch eine kausale Verbindung gibt, und falls ja, in welche Richtung die Kausalität geht — das ist weitgehend unklar.

Möglicherweise führt Asthma vermehrt zu Atemwegsinfekten oder täuscht diese vor, sodass Asthmatiker häufiger Antibiotika bekommen, bemängeln Epidemiologen und Biostatistiker vom Karolinska-Institut in Stockholm.

Auch genetische Einflüsse könnten eine Kausalität vortäuschen: Vielleicht begünstigen manche Gene sowohl Infektionen als auch Asthma.

Daten von 500.000 Kindern

Zumindest der familiäre Einfluss lässt sich erkennen, wenn bei einer Analyse gezielt die Geschwister von Asthmakranken berücksichtigt werden.

Genau das haben nun die schwedischen Forscher um Anne Örtqvist getan: Sie werteten Diagnosen und Asthmamittel-Verordnungen bei allen Kindern aus, die zwischen 2006 und 2010 in Schweden zur Welt kamen.

Zusätzlich schauten sie nach dem Antibiotikakonsum der Kinder sowie ihrer Mütter während der Schwangerschaft (BMJ 2014; 349: g6979). Insgesamt wurden Angaben zu knapp einer halben Million Kindern ausgewertet, darunter etwa 180.000 Geschwister.

Sechs Prozent aller Kinder hatten bis zum Ende der Studie (2012) Asthma entwickelt. Bei jedem fünften Kind hatte die Mutter während der fetalen Entwicklung Antibiotika genommen, 62 Prozent der Kinder hatten bis Ende 2011 solche Mittel erhalten.

In ihrer Analyse fanden die Forscher tatsächlich eine erhöhte Asthmarate bei Kindern mit fetaler Antibiotika-Exposition.

Diese Abweichung war aber deutlich geringer, sobald das Team eine Reihe von Begleitfaktoren berücksichtigte, etwa Asthma bei der Mutter, Rauchen in der Schwangerschaft oder Bildung der Eltern.

Der Zusammenhang verschwand vollständig, wenn nur die Geschwister berücksichtigt wurden.

Die Asthmarate bei Geschwistern war also dieselbe, egal, ob ihre Mutter in der Schwangerschaft Antibiotika eingenommen hatte oder nicht. Auch machte es keinen Unterschied, ob die Mütter Antibiotika gegen Atemwegserkrankungen oder Harnwegsinfekte bekamen.

 Etwas anders sah es zunächst bei den Kindern aus, die nach der Geburt Antibiotika bekommen hatten. Je früher im Leben sie mit den Mitteln konfrontiert wurden, umso höher war später die Asthmainzidenz.

Dies ließ sich sowohl in der Gesamtkohorte beobachten als auch in der Gruppe mit Geschwistern.

In der Gesamtgruppe ging eine Antibiotikaexposition in den ersten sechs Lebensmonaten mit einer knapp vierfach erhöhten Asthmainzidenz einher, bei Kindern mit der ersten Exposition im Alter von mehr als zwei Jahren war die Inzidenz noch verdoppelt.

Geschwisteranalyse entscheidend

Wurden nur die Geschwister betrachtet, schwächte sich der Zusammenhang erneut deutlich ab: Die Inzidenz war hier etwa 1,3- bis 2,3-fach erhöht, und bei den älteren Kindern gab es keine statistisch signifikanten Unterschiede mehr.

Zudem ließ sich nur bei der Einnahme von Atemwegs-Antibiotika eine gesteigerte Inzidenz nachweisen, nicht aber bei Mitteln gegen Harnwegs- oder Hautinfektionen.

Aus der Analyse ergeben sich daher einige interessante Schlussfolgerungen: Zum einen lässt sich das erhöhte Asthmarisiko bei Antibiotikaexposition während der Schwangerschaft praktisch komplett auf Gene oder Umweltfaktoren zurückführen, da Geschwister unabhängig von der Exposition das gleiche Erkrankungsrisiko zeigen.

Aber auch im Kindesalter scheinen Umwelt und Gene relevanter für das Asthmarisiko zu sein als die Antibiotikaeinnahme, wenngleich sich für Säuglinge ein deutlich erhöhtes Risiko bei der Einnahme von respiratorischen Antibiotika ergibt.

Genau diese Differenzierung sollte aber stutzig machen, spricht sie doch stark für ein "confounding by indication" oder eine umgekehrte Kausalität.

Aus diesen Gründen bezweifeln die Forscher um Örtqvist, dass eine Antibiotikaexposition im Mutterleib oder frühen Kindesalter das Asthmarisiko in irgendeiner Weise erhöht.

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