Allergien

Immuntherapie auch in der Pollensaison möglich

NÜRNBERG (otc). Bei vielen Patienten ist es nur eine Frage der Zeit, daß aus der allergischen Rhinokonjunktivitis oder dem saisonalen Asthma ein ganzjähriges Asthma wird. In Deutschland machen 30 bis 50 Prozent der Kinder mit allergischer Rhinokonjunktivitis einen Etagenwechsel hin zum Asthma durch.

Veröffentlicht: 04.04.2006, 08:04 Uhr

Darauf hat Professor Karl-Christian Bergmann aus Berlin hingewiesen. Eine Möglichkeit, dies zu verhindern, sei die spezifische Immuntherapie (SIT).

Der Etagenwechsel sei vor allem an einem trockenen Reizhusten zu erkennen. Gelegentlich komme es zudem zu einer leichten, spasmolytisch gut beeinflußbaren Obstruktion, sagte Bergmann beim Pneumologen-Kongreß in Nürnberg.

Weitere Indizien lägen vor, wenn der inhalative Provokationstest zum Beispiel mit Methacholin eine gesteigerte unspezifische bronchiale Hyperreagibilität ergebe oder die Zahl der Eosinophilen in Blut und Sputum erhöht sei.

Ungünstig ist es weiterhin, wenn sich bei Biopsien eine Entzündungsreaktion feststellen läßt, also ein Einstrom von Eosinophilen aus dem Blut in die Bronchialmukosa. Darüber hat der der Allergologe bei einer Veranstaltung des Unternehmens Alk-Scherax berichtet.

Mit einer SIT könne man das saisonale Asthma beeinflussen. Dadurch verringerten sich die Symptome in der Lunge und der Medikamentenverbrauch. Außerdem bessere sich die Lebensqualität oft nachhaltig über Jahre, berichtete Bergmann. Inzwischen wurde eine Leitlinie zur SIT bei IgE-vermittelten allergischen Erkrankungen erstellt, der über 70 Placebo-kontrollierte Studien zugrundeliegen (Allergo J 15, 2006, 56).

Die Leitlinie empfehle die subkutane Immuntherapie (SCIT) mittlerweile bei intermittierendem - Schweregrad I - und geringgradig persistierendem IgE-vermitteltem allergischem Asthma - Schweregrad II - unter strenger Indikationsstellung, so Bergmann.

Die sublinguale Immuntherapie (SLIT, vom Unternehmen als SLIT® one angeboten) mit Pollenallergenen könne bei Erwachsenen mit allergischer Rhinokonjunktivitis angewandt werden, besonders wenn eine SCIT nicht in Frage komme. Die Routineanwendung wird aber - so die Leitlinie - bei Kindern und Jugendlichen aufgrund der gegenwärtigen Datenlage nicht empfohlen.

Eine abschließende Bewertung wurde bis zur Vorlage weiterer Studienergebnisse vorläufig zurückgestellt. "Meiner Meinung nach hat die SLIT jedoch den Vorteil, daß die Behandlung auch während der Pollensaison beginnen kann, also während die Patienten Beschwerden haben", sagte Bergmann.

Eine Weiterentwicklung sei eine Schmelztablette, in der die Allergene eingearbeitet werden, berichtete Michael Uecker vom Unternehmen. Die Tablette löse sich innerhalb weniger Sekunden vollständig auf, wenn sie mit der Mundschleimhaut in Kontakt komme, so Uecker. Die Patienten brauchten kein Wasser nachzutrinken, da die Tablette nicht hinuntergeschluckt werde.

"Für die erste Entwicklung einer Gräser-Allergentablette haben wir uns entschieden, die Allergene des verbreiteten Wiesenlischgrases Phleum pratense zu nehmen", sagte Uecker. Mit der Tablette werde eine bessere Compliance der Patienten erwartet, zudem sei keine Initialbehandlung mehr notwendig. Uecker: "Die erste Zulassung für die Tablette haben wir Mitte März in Schweden erhalten."

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