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Drei Fragen, drei Antworten

"In den Niederlanden gibt's die Keime nicht mehr"

In den Niederlanden wurden 2002 fast drei Millionen Kinder und Jugendliche gegen Meningokokken C geimpft. Mit der Kampagne sind Meningokokken-C-Erkrankungen praktisch eliminiert worden. Geschützt werden nicht nur Geimpfte selbst, sondern die ganze Bevölkerung, so der Impfexperte Dr. Loek van Alphen zur "Ärzte Zeitung".

Veröffentlicht:

Ärzte Zeitung: Welche Zielgruppen hatte die Impfkampagne und mit welchen Mitteln haben Sie aus dem Stand Durchimpfungsraten von 94 Prozent erreicht?

Dr. Loek van Alphen: Alle 1- bis 19-jährigen Kinder und Jugendlichen in den Niederlanden wurden persönlich eingeladen und wenn nötig später auch angerufen. Während der Kampagne gab es in der Bevölkerung viel Aufmerksamkeit für die Impfungen und ein starkes Bewusstsein für die Schwere der Krankheit. Es gab zudem eine gute Zusammenarbeit zwischen dem Gesundheitsministerium, dem Niederländischen Vaccin Institut, kommunalen Gesundheitsämtern, dem Nationalen Institut für öffentliche Gesundheit sowie den Impfstoffanbietern. Die Versorgung und Verteilung der Impfstoffe wurde zentral organisiert. Geimpft wurde in Zentren, etwa dem neuen Fußballstadion von Ajax Amsterdam. Das war für Kinder und speziell auch für ihre Väter sehr attraktiv.

Ärzte Zeitung: Was haben Sie mit der Kampagne erreicht?

Dr. Loek van Alphen: Impfversager gab es nicht. Meningokokken-C-Erkrankungen sind in den Niederlanden in kurzer Zeit praktisch komplett verschwunden. Die Zahl der gemeldeten Patienten sank von 276 im Jahr 2001 vor der Kampagne auf 4 im Jahr 2006 ab. Wir erklären das damit, dass die Impfraten ausgereicht haben, um die Erreger-Zirkulation zu stoppen.

Ärzte Zeitung: Wie erklären Sie sich, dass Meningokokken-C-Erkrankungen nicht nur bei den geimpften Kindern, sondern auch bei ungeimpften Erwachsenen vermieden werden?

Dr. Loek van Alphen: ... mit Herdimmunität. Die Erreger werden in der Bevölkerung vor allem zwischen Kindern oder von Kindern an ihre Eltern oder andere Erwachsene weitergegeben. Bei den geimpften Kindern und Jugendlichen unterbinden die konjugierten Meningokokken-C-Impfstoffe eine Besiedlung der Nasen-Rachen-Schleimhaut mit den Erregern und stoppen so die Zirkulation. Das Risiko für Infektionen wird dadurch stark reduziert.

Das Interview führte Wolfgang Geissel

ZUR PERSON

Dr. Loek van Alphen ist am Netherlands Vaccine Institute (NVI) in Bilthoven in den Niederlanden tätig. Er ist Experte für Impfstoffe gegen Meningokokken und an seinem Institut für Innovationen zuständig.

Lesen Sie dazu auch: Weisen Sie Ihre Patienten auf Meningokokken-Schutz hin! Immer noch stirbt jeder zehnte Patient mit invasiver Meningokokken-Infektion Bakterielle Meningitis - Bei Verdacht Antibiotika! Hausärzte müssen Impflücken schließen Reise-Impfung gegen Meningokokken Kontaktpersonen wird Antibiose empfohlen Meningokokken - Kurz notiert

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