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Immer noch stirbt jeder zehnte Patient mit invasiver Meningokokken-Infektion

Invasive Meningokokken-Infektionen sind zwar selten, können aber tödlich verlaufen. Betroffen sind vor allem kleine Kinder sowie Jugendliche. Eine frühe hochdosierte Antibiose verbessert die Prognose. Wegen der unspezifischen Symptome wird die Krankheit aber oft erst spät erkannt.Wichtig ist daher die Impfung, die vor einem großen Teil der Infektionen schützt.

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Neisseria meningitidis (Meningokokken) unterm Elektronenmikroskop.

Neisseria meningitidis (Meningokokken) unterm Elektronenmikroskop.

© Foto: Baxter

"Eine junge Frau aus dem Landkreis Kelheim ist innerhalb von Stunden nach Auftreten erster Symptome an einer fulminanten Meningokokken-Infektion gestorben." - Solche Meldungen, wie hier vor wenigen Tagen vom "Donaukurier" aus Regensburg, hört man immer wieder aus allen Regionen Deutschlands: Gesunde junge Menschen sterben auch heute noch trotz moderner Intensivmedizin binnen kürzester Zeit an einer Infektion mit Neisseria meningitidis.

Krankheit tritt oft unerwartet aus völliger Gesundheit auf

Invasive Infektionen mit Meningokokken sind in Deutschland zum Glück selten - zwischen 440 bis 780 Erkrankungen wurden seit dem Jahr 2000 jährlich gemeldet. Die Erkrankungen treten häufig unerwartet aus völliger Gesundheit auf. Etwa zwei Drittel der Betroffenen bekommen eine Meningitis und ein Drittel eine Sepsis. 10 bis 20 Prozent der Patienten kriegen Komplikationen, die von Gehirnschäden mit kognitiven Einschränkungen über Innenohrschäden mit Taubheit bis zu Gangrän mit Amputationen und schweren Behinderungen führen können. Jeder zehnte Patient stirbt an der invasiven Infektion. Besonders gefürchtet sind Verläufe mit dem Waterhouse-Friedrichsen-Syndrom, einem schweren septischen Schock mit einer Sterberate von 35 Prozent.

Die Keime selbst - Neisseria meningitidis - sind in Deutschland alles andere als selten: Insgesamt 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung und dabei besonders Kinder und Jugendliche haben Meningokokken auf den Schleimhäuten der Atemwege, ohne zu erkranken. Die Keime werden per Tröpfcheninfektion mit oropharyngealen Sekreten übertragen, durch Anhusten zum Beispiel oder durch Küssen. Warum bestimmte Menschen erkranken, ist unbekannt. 70 Prozent aller Meningokokken-Patienten sind unter 18. Jahre alt. Besonders häufig sind die Infektionen bei Kleinkindern bis vier Jahre sowie bei Jugendlichen über 15 Jahre.

Entscheidend für die Prognose der Patienten ist, dass sie sehr schnell mit hochdosierten Antibiotika behandelt werden. Wegen der zunächst unspezifischen Symptome wird die Krankheit aber oft erst spät erkannt.

Seit einigen Jahren ist auch bei Kleinkindern eine wirksame Prophylaxe mit konjugierten Impfstoffen möglich. Eine einzige Impfung ab dem ersten Lebensjahr genügt bereits für einen vollständigen Schutz. Diese Impfungen sind allerdings nur gegen Meningokokken der Serogruppe C möglich. Dieser Typ verursacht in Deutschland etwa ein Drittel der Erkrankungen. Bei dem Erregertyp ist die Sterberate mit 12 Prozent besonders hoch. Mit etwa zwei Dritteln aller Erkrankungen dominiert in Deutschland der Serotyp B, gegen den es bisher noch keinen Impfstoff gibt. Die Sterberat ist hier mit 7,3 Prozent etwas geringer.

Impfung wird ab dem ersten Geburtstag empfohlen

Die Ständige Impfkommission rät, alle Kinder ab dem zwölften Monat gegen Typ-C-Meningokokken zu impfen. Versäumte Impfungen sind bis zum 18. Geburtstag nachzuholen. Denn schließlich liegt der zweite Erkrankungsgipfel bei Jugendlichen.

Gegen Typ C und andere Serotypen (A, Y, W-135) sind außerdem Polysaccharid-Impfstoffe auf dem Markt. Die viervalente Vakzine wird zum Beispiel Menschen mit Immundefekten ein halbes Jahr nach Meningokokken-C-Impfung empfohlen. Auch sind die Impfstoffe für die Reisemedizin indiziert, etwa vor Aufenthalten im Meningitisgürtel in Afrika.

Es lohnt sich auf jeden Fall, die potentiell tödliche Infektion durch eine Impfung zu verhindern. Deshalb rät die Ständige Impfkommission, bei allen Kindern und Jugendlichen den Meningokokken-Schutz zu checken und notfalls die versäumte Impfung nachzuholen. Gerade bei Jugendlichen gibt es noch einen erheblichen Nachholbedarf. (eis/ug)

Infos im Internet

www.rki.de - auf der Homepage des Robert-Koch-Instituts gibt es ein Ärztemerkblatt zu Meningokokken sowie Infos zu Diagnostik, Prävention und Epidemiologie (unter "Infektionskrankheiten A-Z" "Meningokokken-Krankheiten").

www.auswaertiges-amt.de - dort gibt es ein Patientenmerkblatt zu Meningokokken-Meningitis (unter "Länder, Reisen und Sicherheit" und "Reisen und Gesundheit").

www.meningococcus.de ist die Homepage des Nationalen Referenzzentrums für Meningokokken. Dort gibt es spezielle Infos für Eltern und für Ärzte.

www.agmk.de - hier hat die Arbeitsgemeinschaft Meningokokken viele aktuelle Informationen zum Thema zusammengestellt. (eis)

Daten

436 invasive Meningokokken- erkrankungen in Deutschland wurden 2007 beim Robert-Koch-Institut registriert. Das Nationale Referenzzentrum hat bei 24 Prozent Keime der Serogruppe C und bei 67 Prozent Keime der Serogruppe B isoliert.

30 bis 40 Prozent der Meningokokken-Erkrankungen in Europa treten zwischen Januar und März auf.

Bei 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung lassen sich Meningokokken ohne Anhalt für klinische Symptome im Nasen-Rachen-Raum nachweisen. Besonders häufig finden sich die Keime bei Kindern und Jugendlichen.

Zwei Drittel der invasiven Meningokokken-Infektionen verlaufen als Meningitis, etwa ein Drittel als Sepsis. Bei 10 bis 15 Prozent der Sepsis-Patienten kommt es zu einer schweren Form des septischen Schocks, dem Waterhouse-Friedrichsen-Syndrom. (eis)

Lesen Sie dazu auch: Weisen Sie Ihre Patienten auf Meningokokken-Schutz hin! Bakterielle Meningitis - Bei Verdacht Antibiotika! Hausärzte müssen Impflücken schließen Reise-Impfung gegen Meningokokken "In den Niederlanden gibt's die Keime nicht mehr" Kontaktpersonen wird Antibiose empfohlen Meningokokken - Kurz notiert

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