Tuberkulose

Infizierte Kinder bereiten Sorgen

In Deutschland stagnieren die Fallzahlen an Tuberkulose, heißt es anlässlich des Welttuberkulosetags am 24. März. Menschen mit Migrationshintergrund sind besonders oft betroffen. Die Zahl der erkrankten Kinder nimmt sogar zu.

Von Wolfgang GeisselWolfgang Geissel Veröffentlicht: 22.03.2013, 05:01 Uhr
Coloriertes Röntgenbild eines 14-Jährigen mit Tuberkulose: Hervorgehoben sind entzündete Lymphknoten (Lymphadenopathie, gelb) und Flüssigkeit im Lappenspalt rechts (orange).

Coloriertes Röntgenbild eines 14-Jährigen mit Tuberkulose: Hervorgehoben sind entzündete Lymphknoten (Lymphadenopathie, gelb) und Flüssigkeit im Lappenspalt rechts (orange).

© SPL / Agentur Focus

BERLIN. Bei der Tuberkulose gibt es in Deutschland keine Entwarnung, betont das Robert Koch-Institut (RKI). Nach den jüngsten Zahlen erkrankten 2011 in der Bundesrepublik 4317 Menschen daran, 162 sind gestorben.

Im Vergleich zu 2010 mit 4388 registrierten Erkrankungen und 161 Toten sind die Zahlen damit nahezu unverändert geblieben. Bis 2008 war die Inzidenz viele Jahre deutlich zurückgegangen, teilt das RKI zum Welttuberkulosetag am 24. März mit (Epi Bull 2013; 11: 91).

Bei zwei Prozent der TB-Kranken werden multiresistente Keime isoliert, bei knapp zwölf Prozent sind die Erreger resistent gegen ein Medikament, auch diese Zahlen stagnieren. Gewarnt wird vor allem auch vor extrapulmonaler TB.

Niedrige, aber steigende Zahlen bei Kindern

Tuberkulose trifft bei uns besonders oft Männer ab 40 Jahre. In Städten gibt es deutlich mehr Fälle als auf dem Land. Knapp die Hälfte der Betroffenen sind im Ausland geboren (vor allem in der Türkei und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion).

Bei Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren ist die Erkrankungsrate zwar niedrig, die Zahlen steigen aber an, von 142 (2009) über 160 (2010) auf 179 (2011).

Da Kinder sehr anfällig für die Infektion sind, wird nach Kontakt mit einem TB-Kranken dringend eine Untersuchung empfohlen mit Infektionsdiagnostik (vorrangig Tuberkulin-Hauttest, THT) und Thoraxröntgen-Untersuchung (TRU).

Auch wenn dabei Hinweise auf eine bereits aktive TB fehlen, wird zur Chemoprophylaxe geraten, und zwar unabhängig davon, ob die initialen TB-Testergebnisse (THT oder Interferon-Gamma Release Assay, IGRA) vorliegen (Epi Bull 2013; 12: 99).

Lage in Osteuropa dramatischer

Sind die Tests nach acht bis zwölf Wochen negativ, ist die Prophylaxe einzustellen. Der Anstieg der Fallzahlen bei Kindern lässt vermuten, dass die Möglichkeiten zur Verhinderung der Erkrankung bisher nicht ausgeschöpft werden, so das RKI.

Weitaus kritischer als in Deutschland ist die TB-Situation in den Ländern Osteuropas. In der WHO-Region Europa, die unter anderen die Türkei und Russland umfasst, wurden 300.000 TB-Erkrankungen und 44.000 Todesfälle registriert. 78.000 Betroffene waren mit multiresistenten Keimen infiziert.

Von den Patienten mit multiresistenter TB werden weniger als die Hälfte geheilt, so die WHO-Regionaldirektorin für Europa, Zsuzsanna Jakab in einer Presseerklärung. Auch in Europa müsse der Zugang zu TB-Therapien verbessert werden.

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