Morbus Parkinson

Jeder vierte Parkinson-Kranke ist depressiv

INGELHEIM (mut). Parkinson-Patienten leiden nicht nur unter Rigor, Tremor oder Akinese. Die Erkrankung führt oft auch zu psychischen Symptomen wie Depressionen und Antriebslosigkeit. Mit Dopamin-Agonisten, die auch gut an Rezeptoren im limbischen System binden, lassen sich nicht nur motorische, sondern auch psychische Symptome lindern.

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Depressionen sind bei Parkinsonkranken weit verbreitet - je nach Untersuchung zu 25 bis 40 Prozent. Für die Betroffenen sind die psychischen Beschwerden oft schlimmer als die motorischen Symptome, haben Umfragen ergeben. Depressionen treten oft schon vor den ersten motorischen Zeichen auf und können ein Frühsymptom eines M. Parkinson sein.

Als Ursachen für die Depressionen gelten sowohl die Degeneration von dopaminergen als auch von noradrenergen und serotonergen Nervenverbindungen. So konnte in Studien mit bildgebenden Verfahren belegt werden, dass es bei depressiven Parkinsonkranken in Gebieten wie dem Locus coeruleus, der Amygdala so wie in weiten Teilen des Limbischen Systems zu einem Mangel an Dopamin- und Noradrenalin-Transport-Proteinen kommt, hat Professor Matthias Lemke von der Uni Kiel berichtet.

Synapsen, die an Emotionen beteiligt sind, gehen unter

Das ist ein indirekter Hinweis darauf, dass es in Gebieten, die an der Verarbeitung von Emotionen, Angst, Antrieb oder Reizbarkeit beteiligt sind, zu einem Untergang von Nervenverbindungen kommt. In vielen dieser Gebiete bindet das normalerweise freigesetzte Dopamin bevorzugt an D3-Rezeptoren, wohingegen im Striatum, das an der motorischen Kontrolle beteiligt ist, D2-Rezeptoren überwiegen.

Dies lässt sich auch therapeutisch nutzen. So bindet der Dopamin-Agonist Pramipexol (Sifrol®) nicht nur an D2-Rezeptoren, sondern auch mit sehr hoher Affinität zu D3-Rezeptoren. Damit lasse sich erklären, dass Pramipexol nicht nur gut Rigor, Tremor und Akinese lindert, sondern auch Depressionen reduziert und den Antrieb steigert, sagte Lemke auf einer Veranstaltung von Boehringer Ingelheim in Ingelheim.

Der Psychiater nannte einige Beispiele: In einer Studie hatten von knapp 660 Parkinson-Patienten etwa 450 eine Depression, 47 Prozent hatten eine Anhedonie, also eine Motivations- und Antriebsschwäche. "Solche Menschen haben oft schon Probleme damit, sich etwas Vergnügliches vorzustellen", sagte Lemke. Die Patienten wurden 63 Tage lang mit Pramipexol behandelt. Dabei halbierte sich der Wert auf einer Anhedonie-Skala mit 14 Punkten (0 Punkte: keine Symptome) von im Schnitt 6 auf 3 Punkte, und die Zahl der Depressiven reduzierte sich auf etwa 300.

Der Dopamin-Agonist muss offenbar auch den Vergleich mit modernen Antidepressiva nicht scheuen. In einer offenen Studie über 14 Wochen bei 67 depressiven Parkinson-Patienten verschwand die Depression bei 61 Prozent mit Pramipexol, aber nur bei 27 Prozent mit Sertralin. Schließlich hatte eine MetaAnalyse bei etwa 1300 Patienten ergeben, dass eine Depression bei 61 Prozent der Patienten mit dem Dopamin-Agonisten zurückging, aber nur bei 40 Prozent mit Placebo. Der Antrieb ließ sich bei 65 Prozent der Patienten mit Pramipexol und bei 42 Prozent mit Placebo steigern.



Depression bei M. Parkinson

Neue Erkenntnisse zu Prävalenz und Bedeutung von Depressionen bei Parkinson werden von der PRODEST-Studie* erwartet. In der Studie wurden 1023 Parkinson-Patienten europaweit untersucht. Aus Deutschland nahmen 237 Patienten teil.

Bei den Patienten wurden mit validierten Fragebögen in einem etwa 90-minütigen Interview die kognitive Leistung, die motorische Funktion, Aktivitäten des täglichen Lebens sowie psychische Störungen ermittelt. Erste Daten der Studie hat jetzt Dr. Frank Degner von Boehringer Ingelheim vorgestellt.

So wurden bei 27 Prozent der Studienteilnehmer Symptome einer Depression beobachtet. Von diesen Patienten wurden wiederum 64 Prozent mit Antidepressiva behandelt, bei 39 Prozent der so Behandelten ließen sich damit die Depressionen aber nicht lindern, sagte Degner.

*PRODEST: Profile of Depressive Symptoms in Parkinson’s Disease

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