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Kann nicht, will nicht atmen

Wenn stark adipöse Menschen lustlos sind, haben sie nicht zwangsläufig eine Depression. Manchmal atmen sie einfach zu wenig. Warum sie das tun, ist nicht ganz klar.

Philipp Grätzel von GrätzVon Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:
Adipöse haben oft eine Schlafapnoe: Da hilft CPAP-Therapie.

Adipöse haben oft eine Schlafapnoe: Da hilft CPAP-Therapie.

© Sandler / Fotolia.com

WIESBADEN. Das adipositasassoziierte Hypoventilationssyndrom (OHS) sei eine wichtige Differenzialdiagnose, wenn stark übergewichtige Patienten über ständige Müdigkeit berichten und antriebslos wirken, sagte Privatdozent Dr. Michael Dreher, Schlafmediziner am Universitätsklinikum Freiburg.

Eine Blutgasanalyse kann den Arzt auf die richtige Fährte führen: Eine Hyperkapnie von über 45 mmHg am Tage ist hoch verdächtig auf ein Hypoventilationssyndrom, sofern es dafür keine andere Erklärung wie etwa eine COPD oder eine restriktive Lungenerkrankung gibt.

Warum einige adipöse Patienten hypoventilieren, ist nicht ganz klar. Dreher fasste die existierenden Theorien so zusammen: "Nicht atmen können und nicht atmen wollen."

"Nicht atmen können" ist Folge der schieren Last der Pfunde: Die Lungenfunktion ist bei hohem BMI schlechter. Es fällt mehr Atemarbeit an, beziehungsweise die Thoraxexkursionen sind bei gleicher Atemarbeit geringer.

Leptinresistenz bei starker Adipositas

Wichtiger ist möglicherweise das "nicht atmen wollen". Dreher beschreibt damit eine Störung der zentralen Atemregulation.

Dafür gibt es erneut unterschiedliche Erklärungsansätze. So ist das in den Fettzellen produzierte Hormon Leptin ein zentrales Atemstimulans. Bei starker Adipositas mit ausgeprägter Hyperleptinämie könnte es zu einer Leptinresistenz kommen, was den Atemantrieb verringert.

Hinzu komme, dass über 90 Prozent der OHS-Patienten auch eine obstruktive Schlafapnoe haben, so Dreher. Der dadurch fragmentierte Schlaf verringert ebenfalls den Atemantrieb.

Neben der Gewichtsreduktion ist deswegen die nicht-invasive Beatmung, in der Regel als CPAP, der wichtigste Therapieansatz. Damit ließen sich bei einigen Patienten auch chronische Beinödeme beseitigen, weil die vasodilatierende Hyperkapnie wegfalle, betonte Dreher.

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