Feldversuch auf Fregatten

Kaugummis gegen Seekrankheit

Selbst Seefahrer und Marinesoldaten plagt oft die Seekrankheit. Eine nebenwirkungsfreie Lösung ist bekannt, doch wenig erforscht. Forscher schicken Soldaten auf Fregatten deshalb nun Kaugummis.

Veröffentlicht:
Andreas Koch, Abteilungsleiter am Schifffahrtmedizinischen Institut der Marine, an der Förde: Er forscht an Mitteln zur Linderung der Seekrankheit.

Andreas Koch, Abteilungsleiter am Schifffahrtmedizinischen Institut der Marine, an der Förde: Er forscht an Mitteln zur Linderung der Seekrankheit.

© Carsten Rehder/ dpa

KIEL/NEUSTADT. Bleich wie eine Wand und richtig übel: Wen während einer Schifffahrt die Seekrankheit erwischt, der leidet. Mancher fühlt sich nur bleiern und antriebslos, andere spucken sich die Seele aus dem Leib und würden am liebsten über Bord gehen. Nicht nur Touristen sind betroffen, sondern auch echte Seebären.

Als Gegenmittel gibt es unter anderem Antihistaminika. Viele Mittel können aber müde machen. Mit den vielen Aufgaben einer Schiffsbesatzung ist das nicht vereinbar. Eine mögliche Alternative: Vitamin C. Hinweise, dass dieses Symptome der Seekrankheit lindern kann, gibt es schön länger.

Feldversuch mit Hunderten Soldaten geplant

Im Herbst wollen Marine-Mediziner deshalb einen zweijährigen Versuch auf mehreren Fregatten mit Hunderten Soldaten starten, wie Andreas Koch vom Schifffahrtmedizinischen Institut der Marine erklärt. Einige Soldaten erhalten Kaugummis mit hoch dosiertem Vitamin C, andere nicht. „Vitamin C senkt den Histaminspiegel im Körper“, erklärt Koch. Histamin ist ein Hormon, mit dem die Seekrankheit in Zusammenhang gebracht wird. Zuviel davon führt zu Übelkeit und Erbrechen.

Was genau die Seekrankheit auslöst, ist bei jedem Menschen anders. „Viele reagieren auf See auf das Rauf und Runter des Schiffs“, sagt Koch. „Eine Welle alle fünf Sekunden, die fährt den Menschen in den Magen. Dafür sind die meisten anfällig.“

Marine mit großen Problemen durch Seekrankheit

Marineschiffe können - anders als in manchen Fällen Kreuzfahrtschiffe - Problemzonen nicht immer umfahren. „Es wurde über Situationen berichtet, in denen Schiffe bei wirklich extrem schwerer See bis zu 60 Prozent Ausfälle an Bord hatten“, sagt Koch. „Es gab schon Situationen, wo Einsätze unterbrochen werden mussten.“ Es habe schlicht nicht mehr genügend einsatzfähiges Personal gegeben.

„Die Brücke ist der schlimmste Ort auf einem Schiff für anfällige Besatzungsmitglieder“, sagt Fregattenkapitän Bastian Fischborn (41). Er fuhr sieben Jahre auf einem knapp 60 Meter langen Minenjagdboot, die Hälfte der Zeit als Kommandant. Einige gewöhnten sich nie an die Gewalten auf einem relativ kleinen Schiff auf hoher See, so Fischborn. „Ich habe schon erlebt, dass Seefahrerkarrieren daran gescheitert sind.“ (dpa)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Halitosis

Was hinter Mundgeruch stecken kann

* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 1: FIB-4 1,3: numerische 26%ige Risikoreduktion der 3-Punkt-MACE durch Semaglutid 2,4mg

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [17]

Kardiovaskuläre, renale und hepatische Komorbiditäten

Therapie der Adipositas – mehr als Gewichtsabnahme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma GmbH, Mainz
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Ein Stempel mit der Aufschrift "Regress"

© Gina Sanders / stock.adobe.com |

Interview zum Vertragsarztrecht

Regress-Prävention: Wie Ärzte Formfehlern aus dem Weg gehen