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Kein Kind verhungert vor vollen Töpfen

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Ein Löffel für Lea, einer für Mama... Das klappt nicht immer so: Oft wird Essen zur Machtprobe.

Ein Löffel für Lea, einer für Mama... Das klappt nicht immer so: Oft wird Essen zur Machtprobe.

© Foto: Oleg Kozlov www.fotolia.de

MÜNCHEN (run). Der Satz "Mein Kind isst so schlecht" gehört zu den häufigsten Klagen in der kinderärztlichen Praxis. Doch Professor Berthold Koletzko aus München beruhigt: "Ernste Gedeihstörungen gibt es nur bei drei bis vier Prozent der Kinder." Meist sei eine besorgniserregende Appetitlosigkeit auch mit weiteren deutlichen Symptomen verbunden.

Solange keine organische Störung vorliegt und das Gewicht nur knapp unter der Norm ist, können sich nach Erfahrung des Pädiaters Eltern getrost an zwei Volksweisheiten halten: 1. Kein gesundes Kind verhungert vor der vollen Schüssel und 2. Das Kind holt sich schon beizeiten, was es braucht. Auch wegen der Nährstoffe bräuchten Eltern sich bei appetitlosen oder wählerischen Kindern in der Regel keine Sorgen zu machen. Oft lassen sich die Essensprobleme nach kurzer Zeit lösen, wenn ein paar Verhaltensregeln befolgt werden (siehe Tabelle).

Sorgen sind angebracht, wenn appetitlose Kinder zudem häufig Durchfall haben oder unter Erbrechen leiden, wenn sie nicht fröhlich spielen, sich schlapp fühlen, krank aussehen mit faltiger Haut und ihre Gewichtskurve im gelben Vorsorgeuntersuchungsheft klar unter dem normalen Verlauf zurück bleibt. Bei solchen Kindern müsse gezielt nach der Ursache der Gedeihstörung gefahndet werden, wie Koletzko im aktuellen Newsletter der Stiftung Kindergesundheit berichtet. In Frage kommen dabei etwa Krankheiten des Darms wie Zöliakie, eine Überfunktion der Schilddrüse, angeborene Herzfehler, Leber- und Nierenerkrankungen, aber auch seelische Probleme. Koletzko betont: "Eine ernste Gedeihstörung mit Untergewicht vermindert die Entwicklungschancen und die Lebensqualität der Kinder." Längenwachstum, Pubertätsentwicklung und Immunsystem können beeinträchtigt werden.

Zur Beseitigung eines Ernährungsdefizits mit Untergewicht sind - außer bei Zöliakie oder Allergien - Nahrungsmittel erlaubt, die bei anderen Kindern unweigerlich die Fettpolster wachsen lassen. "Das Essen darf zum Beispiel mit Öl und Sahne angereichert werden. Erlaubt sind auch reichlich Streichfette, selbst hergestellte Milchshakes, Eis mit Sahne, Schoko- und Müsliriegel, Mandel- und Nussmus, Kartoffelchips und andere energiereiche Happen", so Koletzko. Generell wird bei Untergewicht ein Fettanteil von 40 Prozent der zugeführten Energie empfohlen.

Spezielle Hilfe für Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern mit Fütterstörungen - typisch sind Verweigern von Flasche und Brust, Wiederkäuen und Erbrechen von Essen, Kau-, Saug- und Schluckstörungen - bieten auch spezialisierte Beratungseinrichtungen an. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bietet dazu ein Adressverzeichnis an.

Anfragen zur Adressliste "Beratung bei Fütterstörungen": BZgA, Referat, 1-14, Postfach 910252, 51071 Köln oder per Email: ernaehrung@bzga.de

So isst der Suppenkaspar wieder mit

  • Feste Mahlzeiten im Kreis der Familie
  • Keine Zwischenmahlzeiten
  • Klare Trennung von Essens- und Spielzeiten, kein Fernsehen oder andere Ablenkung zum Essen
  • Hunger- und Sättigungssignale berücksichtigen. Bei Babys: Erst den Löffel zum Mund führen, wenn das Kind den Mund öffnet
  • Bei deutlichem Verweigern: Mahlzeit freundlich beenden ohne Vorwürfe und Enttäuschung
  • Provoziert das Kind beim Essen: Aufmerksamkeit kurz entziehen. Bei Interesse am Essen mit positiver Zuwendung reagieren (run)
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