Kommentar

Keuchhusten-Impfstrategie gescheitert

Von Wolfgang Geissel Veröffentlicht: 20.05.2015, 13:44 Uhr

Die Pertussis-Impfung von Erwachsenen in Deutschland fristet ein Schattendasein. Zu schwer ist es offenbar, den Menschen den Sinn der Prophylaxe nahezubringen.

Denn der Schutz zielt vor allem auch auf eine gute Herdenimmunität, um Säuglinge vor lebensbedrohlichen Infektionen im ersten Lebensjahr zu bewahren.

Zahlen einer repräsentativen Telefon-Umfrage der Studie "Gesundheit in Deutschland aktuell" (GEDA) aus dem Jahr 2010/11 sprechen eine klare Sprache: Nur 22 Prozent der Haushaltskontakte von Säuglingen hatten darin den dringenden Rat zur Pertussis-Impfung befolgt, um ihre Kinder zu schützen.

Von den gebärfähigen Frauen insgesamt hatten sich nur 14 Prozent gegen Pertussis impfen lassen. Und die seit 2009 empfohlene einmalige Auffrischimpfung gegen Pertussis für alle Erwachsenen hatten nur 7,6 Prozent der Befragten. Damit ist die Pertussis-Impfstrategie deutlich gescheitert. Maßnahmen zur Verbesserung werden aber nicht ergriffen.

Nur wenige Erwachsene bei uns wissen offenbar, dass ihnen die Keuchhusten-Impfung überhaupt empfohlen wird. Besonders niedergelassene Ärzte müssen hier Aufklärung leisten. Die guten Schutzraten bei Tetanus zeigen: Insgesamt ist die Impfbereitschaft der Deutschen viel besser als ihr Ruf.

Lesen Sie dazu auch: Keuchhusten-Impfung: Schutzwirkung verpufft mit den Jahren

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Dr. Thomas Georg Schätzler

Pertussis-Impfung bei Erwachsenen jetzt!

"Nur 11,8% der Frauen und 9,4% der Männer in Westdeutschland haben innerhalb der letzten 10 Jahre eine Impfung gegen Pertussis erhalten". Die Zahlen in den Neuen Bundesländern sind deutlich besser.
http://edoc.rki.de/oa/articles/reb7vPK7TXrvs/PDF/28zSzwwnYZBs.pdfn

Höchste Zeit, die seit 2009 bestehende STIKO-Empfehlung umzusetzen und mit DPT-Pertussis oder DT-Pertussis (z. B. Boostrix®, COVAXiS® oder Repevax®, Boostrix®-Polio) Erwachsene alle 10 Jahre aufzufrischen. Dies dient auch als Kokon-Strategie zum Schutz von Impfmüden, Impfverweigerern und Menschen mit endogener/exogener Immunsuppression.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund


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