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Muskuloskelettale Erkrankungen

Was bringt Kinesiotaping?

Unmittelbar und kurzfristig könnte Kinesiotaping bei muskuloskelettalen Erkrankungen die Schmerzen verringern und unmittelbar auch die Funktion verbessern. Doch die Evidenz ist reichlich unsicher.

Dr. Bianca BachVon Dr. Bianca Bach Veröffentlicht:
Ein Läufer, der sein Knie mit blauem Tape versorgt hat.

Kinesiotapes sind bei Sportlern beliebt. Sie werden subjektiv als hilfreich wahrgenommen. Die systematische Überprüfung der Evidenz steht dem allerdings entgegen.

© baranq - stock.adobe.com

Guangzhou. Eine Auswertung systematischer Reviews zur Wirkung von Kinesiotapes bei muskuloskelettalen Beschwerden stellt infrage, inwieweit der vornehmlich kurzzeitige Nutzen der farbigen Klebestreifen wirklich klinisch relevant ist.

Fast jeder dürfte sie schon gesehen haben, ob an der Schulter eines Speerwerfers oder am Knie einer Fußballerin. Kinesiotapes (KT) sind beliebt, speziell im Sport, sei es bei Profis oder im Freizeitsport.

Genau bekannt ist die Wirkweise der in den 1970er Jahren eingeführten Methode nicht; die Idee ist, dass die unter gewisser Spannung aufgebrachten Klebe-Tapes die Haut anheben, kutane Mechanorezeptoren stimulieren und so Propriozeption und regionale Mikrozirkulation verbessern.

Doch was bringen die bunten Bänder über stark beanspruchten und schmerzenden muskuloskelettalen Strukturen wirklich? Ein chinesisches Forschungsteam wollte das genauer wissen und analysierte 128 systematische Reviews, darunter auch 55, die zwar registriert waren, aber bislang nicht veröffentlicht wurden (BMJ Evid Based Med. 2026, online 31. März).

Insgesamt gingen Daten von 15.812 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus 310 einzelnen randomisiert-kontrollierten Studien in die Analyse ein. Die systematischen Reviews bezogen sich auf 29 Krankheitsbilder, in 45 Prozent am häufigsten waren Erkrankungen der unteren Extremitäten der Hauptfokus. 89 Prozent beschrieben die Auswirkungen auf die Schmerzintensität.

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Evidenz insgesamt sehr unsicher

Die Forschenden kartierten die Evidenz zu KT bei verschiedenen Krankheitsbildern in einer Grafik, die die jeweiligen Effektstärken der klinischen Relevanz der Ergebnisse gegenüberstellt.

Die Effektstärke gibt an, wie groß die Unterschiede bei den Ergebnissen zwischen den Vergleichsgruppen sind, also beispielsweise zwischen KT und anderen aktiven Therapien oder zwischen KT und Scheinbehandlungen.

Als minimal klinisch relevanten Unterschied legten die Autoren und Autorinnen für die gepoolten Effektstärken 0,5 Standardabweichungen zugrunde.

Die KT-Wirkungen variierten stark nach Subgruppen und Erkrankungen. 78 Prozent der Reviews waren von kritisch geringer methodischer Qualität; ein niedriges Risiko für statistische Verzerrungen hatten 58 Prozent.

Insgesamt war die Sicherheit der Evidenz als sehr gering einzustufen, auch bei Erkrankungen mit zugleich hoher Effektstärke und definitiver klinischer Relevanz, wie Wirbelsäulenerkrankungen.

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Nebenwirkungen: Hautirritationen, Juckreiz

Am ehestens lässt sich noch folgern, dass KT unmittelbar und kurzfristig Schmerzen lindern können und unmittelbar auch die Funktion beziehungsweise Behinderungen verbessern.

Mittelfristige Wirkungen auf Schmerz sowie die kurz-und mittelfristige auf Funktion und Behinderung scheinen wenig bis nicht klinisch relevant. Auch Muskelkraft, Bewegungsumfang und krankheitsspezifische Symptome werden offenbar im Verlauf nicht entscheidend beeinflusst.

Neben qualitativ hochwertigeren und konsequent berichteten Studien fordern die Autoren und Autorinnen, im Alltag mehr Vorsicht walten zu lassen, und im Sinne einer gemeinsamen Entscheidungsfindung individuelle Präferenzen, alternative Interventionen und mögliche unerwünschte Wirkungen mit einzubeziehen. Die gibt es bei KT nämlich auch. So kam statistisch auf 173 getapte Personen eine mit Hautirritationen und auf 356 eine mit Juckreiz.

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Kommentare
Ulrich Pohl 05.05.202607:58 Uhr

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