Direkt zum Inhaltsbereich

Kleincomputer soll Hämophilie-Therapie sicherer machen

WIESBADEN (ner). Ein kleiner Taschencomputer soll die Behandlung von Hämophilie-Patienten künftig transparenter und sicherer machen. Ein elektronisches Substitutionstagebuch auf einem PDA (Personal Digital Assistant) ersetzt nicht nur das vorgeschriebene Papiertagebuch sondern ermöglicht das rasche Erkennen von Problemen.

Veröffentlicht:

Gemäß Transfusionsgesetz besteht bei Hämophilie sowohl für die behandelnden Ärzte als auch für Patienten eine Dokumentationspflicht. Angesichts der Einführung elektronischer Patientenakten und der Möglichkeiten der Telemedizin hätten "Bleistift und Radiergummi ausgedient", sagte Dr. Hartmut Pollmann vom Institut für Thrombophilie und Hämostaseologie (ITH) beim Thrombose- und Hämostasekongress in Wiesbaden. Er stellte den Taschencomputer Haemoassist™ vor.

Mit diesem Gerät könnten Hämophilie-Patienten innerhalb von zwei Minuten die vorgeschriebenen Daten zur Substitution des fehlenden Gerinnungsfaktors dokumentieren, so Pollmann bei einem Symposium des Unternehmens Wyeth. Die Daten werden dann pseudonymisiert und verschlüsselt über Mobilfunk an eine gesicherte Datenbank übertragen, wo sie den behandelnden Ärzten in kurzer Zeit zur Verfügung stehen. Dies ermögliche ein viel besseres Therapiemonitoring als bisher, sagte der Hämostaseologe. Denn aufgrund der Seltenheit der Erkrankung und der oft hunderte Kilometer langen Entfernungen zum Arzt würden Hämophilie-Patienten in Deutschland im Mittel nur 2,4-Mal pro Jahr einen Spezialisten konsultieren, um die Therapie überprüfen zu lassen.

Pollmann betonte vor allem den Wert der Erinnerungs-Funktion des Gerätes, das auch als Telefon benutzt werden kann. Kommt es zum Beispiel wiederholt zu Blutungen in derselben Körperregion, oder überschreitet der Faktorenverbrauch eine gewisse Grenze, werden Patienten automatisch aufgefordert, ihren Arzt zu kontaktieren. Außerdem erhält der Arzt eine E-Mail, sobald die Patientendokumentation übertragen worden ist.

In einem Pilotprojekt, das im vergangenen Jahr mit dem Innovationspreis Telemedizin ausgezeichnet worden ist, hatten zehn Hämophilie-Patienten im Alter zwischen elf und 50 Jahren das Gerät ein Dreivierteljahr getestet. In dieser Zeit waren sechs Erinnerungen ausgelöst worden. Sieben Patienten gaben eine vollständige Bewertung des PDA ab, davon waren sechs zufrieden. Die Kosten des Systems liegen nach Pollmanns Angaben bei mindestens 1000 Euro pro Jahr, deutlich weniger als 0,1 Prozent der derzeitigen Therapiekosten. Er hofft, den PDA nach Abschluss der Pilotphase rasch und mit Übernahme der Kosten durch die Krankenkassen bei seinen Patienten einführen zu können.

Mehr zum Thema

DGIM 2026

Bewusstseinsstörungen: Der internistische Blick

Fußball-Weltmeisterschaft

WM-Kolumne: Die Krux bei Muskelverletzungen im Profifußball

Das könnte Sie auch interessieren
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb.  1: Indikationsübergreifendens Therapie-Monitoring in den ersten Behandlungszyklen mit Ribociclib beim HR+/HER2- Brustkrebs

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1]

Früher und metastasierter HR+/HER2- Brustkrebs

Einfach und konsistent: indikationsübergreifendes Therapie-Management mit Ribociclib

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Ofatumumab zeigt günstiges 8-Jahres-Sicherheitsprofil

© William / Generated with AI / Stock.adobe.com

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

Ofatumumab zeigt günstiges 8-Jahres-Sicherheitsprofil

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Abb. 1: WAYPOINT-Studie: schnelle und signifikante Reduktion des SNOT-22-Scores über 52 Wochen

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [6]

Schwere, unkontrollierte CRSwNP

Wirkansatz an epithelialen Alarminen

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Tipps von hausärztlichen Anwendern

Wenn Kollege KI in der Arztpraxis „assistiert“

DGIM 2026

Bewusstseinsstörungen: Der internistische Blick

Lesetipps
Ältere Frau versucht, sich mit einem Fan abzukühlen.

© solidcolours/Getty Images/iStock

Tipps

Sommerhitze: Das ist wichtig bei älteren Patienten