Metaanalyse

Komplementärmedizin bleibt oft unerwähnt

Zwei Drittel der Patienten verschweigen ihren Ärzten den Gebrauch von Komplementärmedizin auf biologischer Basis. Das hat eine Metaanalyse ergeben.

Von Robert Bublak Veröffentlicht: 22.02.2019, 07:22 Uhr
Komplementärmedizin bleibt oft unerwähnt

Nur etwa jeder dritte Patient gibt seinem Arzt gegenüber zu, dass er zusätzlich zur verordneten Therapie noch komplementäre Präparate auf Pflanzenbasis oder Supplemente einnimmt, so eine Studie.

© PhotoSG / stock.adobe.com

SYDNEY. Wie oft und aus welchen Gründen Patienten ihren Ärzten gegenüber unerwähnt lassen, dass sie sich zusätzlich zur konventionellen noch komplementärer Medizin bedienen, hat eine von Hope Foley (University of Technology Sydney) angeführte Arbeitsgruppe beschäftigt (Sci Rep 2019; 9: 1573). Zu deren Mitgliedern zählte auch Privatdozent Dr. Holger Cramer, Forschungsleiter am Lehrstuhl für Naturheilkunde und Integrative Medizin der Universität Duisburg-Essen.

Für ihre systematische Übersicht hatten sich Foley und Kollegen 86 Studien näher angesehen, von denen sie 14 anschließend einer Metaanalyse unterzogen. Die Offenlegungsraten für nebenher praktizierte komplementäre Medizin schwankten in den einschlägigen Studien stark. Sie lagen zwischen 7 und 80 Prozent. Dabei spielte es auch eine Rolle, um welche Art von Komplementärverfahren es sich handelte.

Diejenigen, die sich auf Mind-Body-Medizin verließen, sprachen dies ihren Ärzten gegenüber in 80 Prozent der Fälle an. Dabei handelt es sich um eine Art Stressmedizin, in deren Zentrum die Entspannung und die physiologische Antwort darauf stehen.

Komplementärmedizin auf biologischer Basis (wie pflanzliche Präparate oder Supplemente) kam den Ärzten seltener zu Ohren. Im Mittel erklärten 33 Prozent der betreffenden Patienten ihren Ärzten, zu solchen Mittel zu greifen. Umgekehrt heißt das: Zwei Drittel der Patienten verschwiegen den Gebrauch.

Schweigen aus Furcht vor Missbilligung

Danach gefragt, weshalb sie ihren Ärzten das Wissen über den Einsatz von Komplementärmedizin vorenthalten, nannten die Patienten die Furcht vor Missbilligung an erster Stelle. An zweiter Stelle kam die Antwort, der Arzt habe sich nicht danach erkundigt.

Weitere Gründe waren die Annahme, die Offenlegung sei unerheblich; die Vermutung, dem Arzt fehle es am nötigen Wissen über Komplementärmedizin; Zeitmangel während der Konsultation; der Glaube, Komplementärmedizin sei sicher und wechselwirke nicht mit der konventionellen Therapie; eine unregelmäßige Anwendung zum Zeitpunkt der Konsultation; und frühere Erfahrungen mit negativen Reaktionen von Ärzten.

Auch für die Offenheit gegenüber den Ärzten gab es Gründe, zuvorderst den, dass der Arzt nach dem Einsatz von Komplementärmedizin gefragt hatte. Zudem förderte es die Aufdeckung, wenn Patienten glaubten, ihr Arzt sei der Komplementärmedizin gegenüber positiv eingestellt.

Dazu kam das Bedürfnis nach Sicherheit in der Anwendung, nach dem Rat des Arztes und danach, anderen Patienten mit derselben Krankheit zu helfen – all das trug dazu bei, dem Arzt vom Rückgriff auf Komplementärmedizin zu berichten.

Patienten würden gerne über Komplementärmedizin reden

Seitens der Ärzte scheint es Faktoren zu geben, die Patienten zur Offenlegung ermutigen. Wer als Arzt von seinen Patienten für jemanden gehalten wird, der Komplementärmedizin akzeptiert, kann öfter damit rechnen, vom Gebrauch solcher Methoden zu erfahren. Gleiches gilt für Ärzte, die als nicht wertend eingeschätzt werden.

Im Übrigen will eine Mehrheit der Patienten mit den Ärzten über komplementäre Verfahren sprechen – doch sehr viel weniger tun es wirklich, und viele wünschen sich, es ginge leichter.

Foley und ihr Team wollten auch wissen, wie Mediziner auf Patientenbekenntnisse zur Komplementärmedizin reagierten. Negative oder entmutigende Impulse haben demnach weniger als 20 Prozent der offenherzigen Patienten erfahren. In bis zu 30 Prozent der Fälle war die Reaktion neutral. In manchen Studien gab es sogar für bis zu 90 Prozent der Patienten positive und ermutigende Signale von den Medizinern.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Fragen ist Gold

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