Angina pectoris

Koronare Funktionsstörungen bei Frauen häufiger

Vasomotorische Störungen scheinen bei Frauen mit stabiler Angina pectoris häufiger zu sein als bei Männern.

Veröffentlicht: 13.11.2017, 16:07 Uhr

STUTTGART. Epikardiale Vasospasmen und eine koronare mikrovaskuläre Dysfunktion gelten zunehmend als relevante Ursache für Angina-pectoris-Beschwerden bei Patienten mit stabiler Angina pectoris, die keine für den koronaren Blutfluss relevanten atherosklerotischen Obstruktionen aufweisen. Genaue Daten zur Häufigkeit der unterschiedlichen vasomotorischen Störungen bei Männern und Frauen gab es bisher aber nicht.

Kardiologen des Robert Bosch Krankenhauses Stuttgart und der Uni Odense in Dänemark berichten jetzt über eine Kohortenstudie, in der sie bei 1379 konsekutiven Patienten mit stabiler Angina pectoris ohne höhergradige Koronarobstruktionen einen Acetylcholin(ACh)-Test durchgeführt haben, um epikardiale und mikrovaskuläre Spasmen zu entdecken (J Am Coll Cardiol 2017; 70(19):2349-58).

Insgesamt waren vasomotorische Störungen bei diesem Patientenkollektiv häufig: 59 Prozent der Studienteilnehmer hatten einen pathologischen ACh-Test, bei jeweils rund der Hälfte war es eine mikrovaskuläre Dysfunktion (33 Prozent) beziehungsweise ein epikardialer Vasospasmus (26 Prozent).

Das kam nicht unerwartet. Erstaunlich war allerdings der deutliche Unterschied zwischen Frauen und Männern. So hatten 70 Prozent der Frauen, aber nur 43 Prozent der Männer einen pathologischen ACh-Test, was hochsignifikant war (p < 0,001).

Auch in der multivariaten Analyse hielt die Signifikanz: Die Wahrscheinlichkeit für eine mikrovaskuläre Dysfunktion bei Frauen mit stabiler Angina pectoris ohne relevante Koronarobstruktionen ist demnach um mehr als den Faktor 4 höher als bei Männern, die Wahrscheinlichkeit für einen epikardialen Vasospasmus immer noch um mehr als den Faktor 2.

Pathologische ACh-Tests waren bei Frauen nicht nur häufiger als bei Männern. Wenn eine Gefäßreaktion auf ACh eintrat, dann reichten bei Frauen auch niedrigere Dosierungen. Wichtig sei, dass sich eine mikrovaskuläre Dysfunktion nicht anhand von nicht invasiven Parametern vorhersagen lasse, so die Autoren.

Es gab keine Korrelation zwischen mikrovaskulärer Dysfunktion und anderen Risikofaktoren. Die Gründe für den Unterschied zwischen den Geschlechtern sind nicht ganz klar. (gvg)

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