MRSA-Infektion

Krebsmittel wird zum Antibiotikum

Durch eine kleine chemische Modifikation wird aus dem Krebsmedikament Sorafenib ein antimikrobiell wirksames Molekül.

Veröffentlicht: 18.12.2019, 15:37 Uhr

Braunschweig/München. Ausgehend von dem Krebsmedikament Sorafenib, das moderat auch gegen Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) wirkt, haben Forscher des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) und der Technischen Universität München (TUM) mittels chemischer Modifikation die antimikrobiellen Eigenschaften der Arznei verbessert. Das teilt das HZI mit.

Das so entstandene Molekül namens „PK150“ sei zehnmal wirksamer gegen MRSA als die Ausgangssubstanz, ohne dass Resistenzen aufträten (Nature Chemistry 2019; online 16. Dezember).

Der neue Wirkstoff wirkt gegen mehrere unkonventionelle Zielstrukturen bei den Bakterien, berichtet das HZI. Zwei Angriffsziele wurden von den Wissenschaftlern um Erstautor Dr. Philipp Le von der TUM genauer untersucht: PK150 hemmt einerseits ein essenzielles Protein des bakteriellen Energiestoffwechsels und wirkt andererseits an der Zellwand.

PK150 wirkt indirekt

Im Unterschied zu Antibiotika wie Penicillin und Methicillin, die die Bildung der Zellwand stören, wirkt PK150 indirekt: Es bringt die Proteinsekretion der Bakterien aus dem Gleichgewicht. Dadurch geben die Bakterien mehr Proteine, die die Zellwandstärke kontrollieren, nach außen ab und die Zellen platzen auf.

„Durch die chemischen Veränderungen an dem Molekül bindet PK150 auch nicht mehr an die menschlichen Kinasen, sondern wirkt sehr spezifisch gegen bakterielle Ziele“, wird Studienautor Professor Stephan Sieber von der TUM in der Mitteilung zitiert.

Die Forscher wiesen nach, dass PK150 günstige pharmakologische Eigenschaften aufweist. Es kann zum Beispiel als Tablette verabreicht werden und ist im Körper über mehrere Stunden stabil. In einem Infektionsmodell in Mäusen (in vivo) war PK150 in verschiedenen Geweben gegen MRSA wirksam. Es wurde keine Resistenzbildung beobachtet.

Mitautor Professor Dietmar Pieper begründet dies damit, dass die simultane Resistenzentwicklung an mehreren Angriffszielen für Bakterien ungleich schwieriger sei: „MRSA-Infektionen sind besonders häufig chronisch, da die Bakterien in eine Art Ruhezustand verfallen können.

PK150 tötet auch diese persistierenden, also überdauernden Zellen sowie Keime, die sich geschützt in Biofilmen befinden.“ (eb)

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