Chronisch nierenkrank

Magnesium als Indikator fürs Sterberisiko

Ein niedriger Magnesiumspiegel bei Patienten mit chronischen Nierenleiden ist ein prognostisch ungünstiges Zeichen. Die Mortalität scheint unabhängig von etablierten Risikofaktoren erhöht zu sein.

Von Beate Schumacher Veröffentlicht:
Nieren: Niedrige Magnesiumspiegel gehen mit einem beschleunigten Verlust der Organfunktion einher.

Nieren: Niedrige Magnesiumspiegel gehen mit einem beschleunigten Verlust der Organfunktion einher.

© Springer Verlag

GENT. Ein Magnesiummangel ist offenbar mit vielen kardiovaskulären und renalen Risikofaktoren verknüpft. Das legen Beobachtungen und indirekte Hinweise nahe. Nun zeigt eine retrospektive Studie, dass niedrige Serumspiegel auch bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung mit einer erhöhten Mortalität und einem schnelleren Verlust der Nierenfunktion einhergehen (Amer J Med 2013, online 25. Juli).

1650 Patienten mit meist mittelschwerer Erkrankung (zwei Drittel Stadium 2-3b) waren an einer belgischen Universitätsklinik im Median für fünf Jahre nachuntersucht worden. In dieser Zeit hatten sich 284 Todesfälle ereignet, davon 151 aus kardiovaskulärer Ursache und 51 aufgrund von Malignomen.

In jeder Kategorie der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) hatten diejenigen Patienten, die im Studienzeitraum gestorben waren, niedrigere Ausgangswerte beim Serummagnesium aufgewiesen als die Überlebenden.

Auch wenn der Einfluss von Alter, Geschlecht, Hochdruck, Diabetes und eGFR berücksichtigt wurde, war jeder Anstieg im initialen Magnesiumspiegel um 0,1 mg/dl (0,04 mmol/l) mit einem Rückgang der Mortalität um 6 Prozent assoziiert.

Auch die weitere Adjustierung unter anderem für Adipositas, Raucherstatus und den Gebrauch von Diuretika und RAAS-Blockern beließ diese Korrelation weitgehend unverändert.

61 Prozent höheres Mortalitätsrisiko

Patienten mit einem Serummagnesium unter 1,8 mg/dl (0,79 mmol/l) hatten ein um 61 Prozent höheres Sterberisiko als Patienten mit Werten über 2,2 mg/dl (0,90 mmol/l). Im Gegensatz dazu erwiesen sich weder Natrium- noch Kaliumspiegel als unabhängige Prädiktoren für die Mortalität.

Darüber hinaus ging ein niedrigerer Magnesiumspiegel zu Studienbeginn auch mit einem schnelleren Verlust der Nierenfunktion einher. Dieser Zusammenhang war aber nicht mehr signifikant, wenn alle oben genannten Einflussfaktoren einbezogen wurden.

"Die schon früher berichtete Assoziation zwischen Magnesium und Surrogatmarkern für das kardiovaskuläre Risiko wird durch die Studie ausgeweitet auf harte Endpunkte bei chronisch nierenkranken Patienten," schreiben die Studienautoren um Steven Van Laecke von der Universitätsklinik Gent.

Allerdings müssen die Forscher einräumen, dass wegen der retrospektiven Auswertung möglicherweise nicht alle Störfaktoren identifiziert werden konnten.

Zur definitiven Bestätigung des Zusammenhangs seien daher prospektive Studien erforderlich. Diese könnten auch die Frage klären, ob niedrige Magnesiumspiegel einen modifizierbaren Risikofaktor darstellen, also eine Supplementierung Mortalität und Nierenfunktion verbessern könnte.

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Hartwig Raeder

Übersetzungsfehler

Außerdem liegt zusätzlich vermutlich ein Übersetzungsfehler vor. Welche Krankheit haben denn die "1650 Patienten mit mittelschwerer Erkrankung"? Sind es wirklich "chronisch nierenkranke Patienten"? Der englische Ausdruck kidney disease hat im Deutschen zwei verschiedene Bedeutungen: Nierenkrankheit und Niereninsuffizienz. Die Niereninsuffizienz ist keine Krankheit, sondern ein Symptom. Nierengesunde können eine Niereninsuffizienz entwickeln, wenn Herz-, Leber-, Lungen- oder andere Krankheiten das Herzzeitvolumen reduzieren. Ein Rückgang des renalen Plasmaflusses verkleinert die renale Clearance. Bei Nierengesunden ist die GFR ein Maß zum Beispiel für die Herzinsuffizienz.

Dr. Hartwig Raeder

Der kardiorenale Zusammenhang

Magnesiummangelzustände verursachen Herzkrankheiten. Eine Herzinsuffizi-enz verkleinert das Herzzeitvolumen mit der Folge einer Reduktion des renalen Plasmaflusses. Dadurch sinkt die glomeruläre Filtrationsrate auch ohne Vorliegen einer Nierenkrankheit. Die GFR ist also ein Maß für die Schwere einer Herzinsuffizienz. Eine Niereninsuffizienz ist keine Krankheit, sondern das Symptom zahlreicher Krankheiten von mehreren Or-gansystemen.


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