Mammografie enttäuscht - erneut

Brustkrebs-Screening - top oder flop? Erst vor kurzem hatten Studien den Nutzen angezweifelt. Jetzt legen schwedische Forscher nach: Ihre Daten lesen sich so, als ob es eines der weltweit größten Screening-Programme nie gegeben hätte.

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Skeptischer Blick: Erneut liefert eine Studie ernüchternde Daten zum Mamma-Ca-Screening.

Skeptischer Blick: Erneut liefert eine Studie ernüchternde Daten zum Mamma-Ca-Screening.

© Sven Bähren / fotolia.com

LYON (ars). Die Diskussion ums Mammografie-Screening geht in die nächste Runde: mit einer Studie aus Schweden, wonach die Reihenuntersuchung die Brustkrebsmortalität bei Frauen zwischen 40 und 69 Jahren nicht oder nur geringfügig reduziert.

Ähnliches haben zuvor norwegische und dänische Studien ergeben.

Forscher um Dr. Philippe Autier aus Lyon hatten Daten des Swedish Board of Health and Welfare von 1960 bis 2009 analysiert (JNCI 2012, online 17. Juli).

Erwartet hatten sie, dass die schrittweise Einführung des Screenings sich in einem Rückgang der spezifischen Mortalität widerspiegeln würde. Start war 1974, 1997 war es flächendeckend in allen Distrikten für Frauen von 40 bis 69 eingerichtet.

Die Teilnahmeraten gehören zu den weltweit höchsten: 75 bis 85 Prozent der Zielgruppe nutzen das Angebot regelmäßig.

Doch wider Erwarten ergab sich, dass die Brustkrebsmortalität bereits 1972, also vor Einführung des Screenings, zu sinken begann. Und dass sie anschließend mit gleicher Tendenz weiterfiel: pro Jahr um 0,98 Prozent.

Liegt's an der Therapie?

Genauer gesagt, ging die Rate in 14 der 21 Bezirke kontinuierlich zurück, in dreien abrupt während oder kurz nach der Implementation, in zweien erst fünf Jahre später, und in weiteren zwei nahm sie nach Screening-Beginn sogar zu.

Insgesamt sank die Brustkrebsmortalität in Distrikten, die das Screening zwischen 1974 und 1978 etablierten, in den 18 Jahren nach der Einführung mit ähnlichem Trend, wie er zuvor schon bestanden hatte.

Es scheine paradox, dass die Ergebnisse so aussähen, als ob das Programm nie existiert hätte, so wird Autier zitiert.

Die Grenzen der Therapie wirkten sich stärker auf die Mortalität aus als die Grenzen des Screenings, gibt Professor Michael Vannier aus Chicago in einem Editorial zu bedenken.

Den Effekt des Screenings an der Mortalität zu messen, sei zu simpel, da Diagnose und Therapie einen größeren Einfluss hätten.

Er rät, Subgruppen je nach Risiko zu betrachten (BMJ 2012; online 17. Juli).

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Kommentare
Dr. Thomas Georg Schätzler 21.07.201214:47 Uhr

Langsam wird es peinlich! 2.0

Nach einer langen Abendsprechstunde (Donnerstag bis 20.00 Uhr) habe ich einen bedauerlichen Fehler in meinen Berechnungen gemacht, für den ich mich entschuldige. Hier die Korrekturfassung:

Das ist der dritte Versuch, mit der völlig unlogischen Hypothese aufzuschlagen, die Mammografie-Reihenuntersuchung als systematisches Brustkrebs-Screening könnte sich direkt kurierend auf die Mortalitätsrate bei Brustkrebserkrankungen auswirken. Früherkennung und Prävention vermögen die Diagnose vorzuverlegen und allein damit (scheinbar) die Überlebenszeit zu verlängern.

Doch nur t h e r a p e u t i s c h e Fortschritte, Weiterentwicklung von OP-Techniken (z. B. intraoperative Radiatio), integrative Behandlungskonzepte (prä-, peri- und postoperative Chemotherapie) bzw. flankierende Maßnahmen (minimal-invasives stadiengerechtes Vorgehen, Fast-Track-Konzepte) können einen statistisch nachweisbaren Effekt auf die Mortalität haben. Dazu gehörte historisch auch z. B. die Abkehr von einer ultra-radikalen OP nach Rotter/Hallstedt, die mein damaliger Gynäkologie-Chef schon um 1979 zu Gunsten weitgehend brusterhaltender Therapie verließ und dafür im Kollegenkreis z. T. heftig angefeindet wurde.

Das war auch der mit entscheidende Grund, warum die Autoren der hier referierten Studie bei den Ergebnissen fast treuherzig-trotzig festhielten ("results"): Die Brustkrebsmortalität sank von 1972 bis 2009 bei Schwedinnen mit 40 Jahren und älter jährlich um 0,98% ("From 1972 to 2009, breast cancer mortality rates in Swedish women aged 40 years and older declined by 0.98% annually, from 68.4 to 42.8 per 100.000"). Der letzte Halbsatz ist pikant: Ein Absinken der Brustkrebsmortalität von 68,4 auf 42,8 auf 100.000 bedeutet eine Reduktion um 37,43 Prozent. Auf 37 Jahre von 1972-2009 bedeutet dies einen jährlichen Rückgang von 1,01 Prozent und nicht wie behauptet 0,98 Prozent! Mathematisch ist diese Differenz zwar marginal, aber über so lange Zeit eine Verringerung der morbiditätsspezifischen Gesamtmortalität zu erreichen, lässt auf eine kontinuierliche Verbesserung der Prozess- und Ergebnisqualität schließen.

In Skandinavien wurde die sinnlose OP nach Rotter/Hallstedt in manchen Regionen schon v o r Einführung des Brustkrebs-Screenings verlassen. Allein deshalb sind in manchen Schwedischen Bezirken die Brustkrebs-Mortalitätsraten mit und ohne Screening mehr oder weniger rückläufig. Aber die grundsätzliche Bedeutung der Mortalitätsreduktion von 68,4 auf 42,8/100.000, um 37,43 Prozent in 37 Jahren, haben die Studienautoren im "Journal of the National Cancer Institute" JNCI J Natl Cancer Inst (2012) (doi: 10.1093/jnci/djs272) wohl selbst nicht ganz begriffen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Dr. Thomas Georg Schätzler 19.07.201221:35 Uhr

Langsam wird es peinlich!

Das ist der dritte Versuch, mit der völlig unlogischen Hypothese aufzuschlagen, die Mammografie-Reihenuntersuchung als systematisches Brustkrebs-Screening könnte sich direkt kurierend auf die Mortalitätsrate bei Brustkrebserkrankungen auswirken. Früherkennung und Prävention vermögen die Diagnose vorzuverlegen und allein damit (scheinbar) die Überlebenszeit zu verlängern.

Doch nur t h e r a p e u t i s c h e Fortschritte, Weiterentwicklung von OP-Techniken (z. B. intraoperative Radiatio), integrative Behandlungskonzepte (prä-, peri- und postoperative Chemotherapie) bzw. flankierende Maßnahmen (minimal-invasives stadiengerechtes Vorgehen, Fast-Track-Konzepte) können einen statistisch nachweisbaren Effekt auf die Mortalität haben. Dazu gehörte historisch auch z. B. die Abkehr von einer ultra-radikalen OP nach Rotter/Hallstedt, die mein damaliger Gynäkologie-Chef schon vor 1979 zu Gunsten weitgehend brusterhaltender Therapie verließ und dafür im Kollegenkreis z. T. heftig angefeindet wurde.

Das war auch der mit entscheidende Grund, warum die Autoren der hier referierten Studie bei den Ergebnissen fast treuherzig-trotzig festhielten ("results"): Die Brustkrebsmortalität sank von 1972 bis 2009 bei Schwedinnen mit 40 Jahren und älter jährlich um 0,98% ("From 1972 to 2009, breast cancer mortality rates in Swedish women aged 40 years and older declined by 0.98% annually, from 68.4 to 42.8 per 100?000"). Der letzte Halbsatz ist pikant: Ein Absinken der Brustkrebsmortalität von 68,4 auf 42,8 auf 100.000 bedeutet eine Reduktion um 42,8 Prozent. Auf 37 Jahre von 1972-2009 bedeutet dies einen jährlichen Rückgang von 1,16 Prozent und n i c h t wie behauptet 0,98 Prozent!

In Skandinavien wurde die sinnlose OP nach Rotter/Hallstedt in manchen Regionen schon v o r Einführung des Brustkrebs-Screenings verlassen. Allein deshalb sind in manchen Schwedischen Bezirken die Brustkrebs-Mortalitätsraten mit und ohne Screening mehr oder weniger rückläufig. Aber die grundsätzliche Bedeutung der Mortalitätsreduktion von 68,4 auf 42,8/100.000, also um 42,8 Prozent in 37 Jahren, haben die Studienautoren im "Journal of the National Cancer Institute" JNCI J Natl Cancer Inst (2012) (doi: 10.1093/jnci/djs272) wohl selbst noch gar nicht begriffen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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