Drei Forscher geehrt

Medizin-Nobelpreis für Entdecker des Hepatitis-C-Virus

Der Nobelpreis für Medizin geht an zwei US-amerikanische und einen britischen Wissenschaftler. Ihre Forschungen haben es ermöglicht, das Hepatitis-C-Virus zu identifizieren.

Veröffentlicht: 05.10.2020, 13:06 Uhr
Die Preisträger des Medizin-Nobelpreises 2020: Professor Harvey Alter, Professor Michael Houghton und Professor Charles Rice (von links nach rechts).

Die Preisträger des Medizin-Nobelpreises 2020: Professor Harvey Alter, Professor Michael Houghton und Professor Charles Rice (von links nach rechts).

© Claudio Bresciani/picture alliance/TT NEWS AGENCY

Stockholm. Die diesjährigen Preisträger des Medizinnobelpreises sind Professor Harvey Alter, geboren 1935 in den USA, Professor Michael Houghton, geboren 1949 in England, und Professor Charles Rice, 1952 ebenfalls in den USA geboren.

In ihren Schlüsselpublikationen, die zwischen 1972 und 1997 erschienen sind, haben sie das Rätsel gelöst, welcher Erreger die ominöse Non-A/Non-B-Hepatitis verursacht: ein Einzelstrang-RNA-Virus aus der Familie der Flaviviridae, das den Namen Hepatitis-C-Virus erhalten hat.

Harvey Alter hatte festgestellt, dass Bluttransfusionen trotz der Tests auf Hepatitis A und B nach wie vor zu chronischen Hepatitiden bei den Empfängern führen können. In Untersuchungen mit Schimpansen wies er nach, dass Blut von solchen Hepatitispatienten die Krankheit übertragen kann und das infektiöse Agens die Merkmale eines Virus besitzt. Die mysteriöse Krankheit bekam Mitte der 1970er-Jahre zunächst die Bezeichnung Non-A/Non-B-Hepatitis.

In der Folge ging es darum, das neue Virus zu identifizieren. Nachdem mehr als zehn Jahre verstrichen waren, gelang es einer Arbeitsgruppe um Michael Houghton mithilfe von Antikörpern aus Patientenblut, geklontes virales Erbgut zu isolieren und auf ein neues RNA-Virus aus der Familie der Flaviviren zurückzuführen: das Hepatitis-C-Virus.

Kausalbeweis erbracht

Nun war noch zu klären, ob das Hepatitis-C-Virus allein in der Lage war, eine Hepatitis zu verursachen, oder ob es dafür weiterer wesentlicher Faktoren bedurfte. Der Nachweis, dass das Virus alleiniger Verursacher war, gelang schließlich Charles Rice. Ihm war eine spezifische, nicht kodierende Region der Virus-RNA aufgefallen, der er eine wichtige Rolle bei der Virusreplikation zuschrieb.

Gentechnisch stellte er ein Set von geeigneten RNA-Varianten her, die die fragliche Region enthielten. Nachdem er die so fabrizierte RNA in die Leber von Schimpansen injiziert hatte, entwickelte sich eine Infektion. Die Tiere zeigten klinische Zeichen von Hepatitis, und einige Monate lang war in ihrem Blut infektiöses Virus nachweisbar. Damit war der Kausalbeweis erbracht, dass hinter der Non-A/Non-B-Hepatitis eine Infektion mit Hepatitis-C-Virus steckt.

Blick in ein Hepatitis-C-Virus.

Blick in ein Hepatitis-C-Virus.

© Ramon Andrade 3DCIENCIA/SCIENC

Die Pionierarbeit von Alter, Houghton und Rice hat zur Entwicklung von Tests beigetragen, die es erlauben, Träger des Hepatitis-C-Virus zu erkennen und kontaminierte Blutprodukte zu eliminieren. Ihre Entdeckungen haben es zudem ermöglicht, antivirale Medikamente gegen Hepatitis C herzustellen, eine Erkrankung, die nun zu etwa 95 Prozent heilbar ist.

Hohes Ansehen

Der Nobelpreis soll Alfred Nobels Testament zufolge an diejenigen verliehen werden, „die im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen erbracht haben“. Die Forschungserfolge der diesjährigen Laureaten der Medizin sind, wie erwähnt, indes schon etwas älteren Datums. Zweifellos aber haben sie der Menschheit auch im vergangenen Jahr großen Nutzen beschert.

Hohes Ansehen genießen die drei Forscher ohnehin seit langem. Schon vor einigen Jahren war Harvey Alter und Michael Houghton und ihrer Entdeckung der Hepatitis C ein eigenes Kapitel in einem Buch gewidmet.

Dessen Titel: „Pioniere der Medizin ohne einen Nobelpreis.“ Nun, da sie zu Pionieren mit Nobelpreis avanciert sind, muss dieses Kapitel wohl neu geschrieben werden. Dotiert ist der Preis mit zehn Millionen schwedischen Kronen, umgerechnet rund 956.000 Euro. (rb)

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