Gen-Variation

Menschliches Genom hat sich an Lepra-Erreger angepasst

Nur bestimmte Europäer waren für eine Infektion mit Mycobacterium leprae anfällig. Zu diesem Ergebnis kommen deutsche Forscher nach einer Knochenuntersuchung von Lepra-Kranken.

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Der Lepra-Erreger Mycobacterium leprae: Europäer haben anscheinend durch eine Genmutation die Anfälligkeit gegen den Keim verloren.

Der Lepra-Erreger Mycobacterium leprae: Europäer haben anscheinend durch eine Genmutation die Anfälligkeit gegen den Keim verloren.

© Tatiana Shepeleva / Fotolia

KIEL. Das Genom von Europäern hat sich mit der Zeit an den Lepra-Erreger Mycobacterium leprae angepasst. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher um Professor Ben Krause-Kyora von der Uni Kiel (Nat Comm 2018; online 1. Mai).

Ausgangmaterial für die Studie waren die Knochen von 85 schwer Lepra-Kranken aus dem 12. und 13. Jahrhundert in Odense, Dänemark. Diese Proben verglichen die Forscher mit Proben von 223 mittelalterlichen dänischen und norddeutschen Skeletten, die keine Spuren von Lepra aufwiesen.

In den Zähnen fanden sie bis zu fünf Prozent menschlicher DNA, die pathogene Lepra-DNA lag dabei im Promillebereich vor. "Dies ist tatsächlich eine ordentliche Ausbeute. Wir hatten eine hohe Erfolgsquote, weil das Material sehr gut erhalten ist", wird Krause-Kyora in der Mitteilung zitiert.

Genetische Resistenz quasio

Die Analysen ergab, dass eine bestimmte Variante des Immun-Gens HLA- DRB1 die Menschen anfälliger für Lepra machte.

Dadurch, dass die Lepra-Kranken isoliert wurden und keine Nachkommen zeugen konnten, gaben sie diesen Risikofaktor nicht weiter. "Die Anpassung des Menschen an dieses Bakterium über Jahrhunderte könnte dazu geführt haben, dass die Krankheit langsam verschwand", erklärt Krause-Kyora.

Die HLA-Variante wird heute mit dem Auftreten von Sarkoidose, Colitis ulcerosa, MS oder Typ-1-Diabetes in Verbindung gebracht. "Die Erforschung von historischen Krankheitsursachen ist entscheidend, um die Wechselwirkungen zwischen Erregern und Mensch und die daraus resultierenden Veränderungen in unserem Genom über die Zeit zu verstehen", so Mitautor Dr. Tobias Lenz. (eb)

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