Kanadische Studie

Milch macht müde Kinderknochen munter?

Weder die Menge, noch der Fettgehalt der Milch, die Kinder im Alter zwischen einem und drei Jahren konsumieren, beeinflussen einer kanadischen Studie zufolge das spätere Frakturrisiko.

Veröffentlicht: 19.12.2019, 14:14 Uhr
Milch macht müde Kinderknochen munter?

Forscher haben sich angeschaut, ob Milch bei Kindern das spätere Frakturrisiko beeinflusst.

© godfer / Fotolia

Toronto. Milch stärkt die Knochen, so die landläufige Annahme. Tatsächlich hatten in Beobachtungsstudien Kinder, die keine Milch tranken, ein erhöhtes Frakturrisiko. Allerdings ist der komplette Verzicht häufig krankheits- oder allergiebedingt, und möglicherweise gehen diese Beweggründe per se bereits mit einem höheren Risiko für Knochenbrüche einher. Bisherige Studien zu Milchkonsum und Frakturrisiko liefern uneinheitliche Ergebnisse. Darüber hinaus wird spekuliert, dass auch der Fettgehalt der Milch das Risiko von Knochenbrüchen beeinflussen könnte.

In einer prospektiven Kohortenstudie mit 2466 gesunden Stadtkindern haben Riley Allison von der Universität Toronto und Kollegen nun die potentiellen Effekte der Milch auf die Knochen erneut analysiert (American Journal of Epidemiology 2019; online 12. November).

Gesucht wurde nach einem Zusammenhang zwischen dem Milchkonsum der Kinder im Alter zwischen einem und drei Jahren und dem Frakturrisiko im Alter von drei bis zehn Jahren. Außerdem wurde der Einfluss des Fettgehalts überprüft. Die Teilnehmer wurden zwischen 2008 und 2016 in die Studie eingeschlossen. 220 von ihnen tranken gar keine Kuhmilch, 636 konsumierten weniger als zwei Tassen (je 250 ml) pro Tag, 893 kamen auf zwei Tassen und 641 Kinder lagen darüber. Der mittlere Fettgehalt der Milch erreichte 2,4 Prozent.

Was waren die Resultate?

Am Ende der Beobachtungszeit berichteten 6,2 Prozent der befragten Eltern über mindestens eine Knochenfraktur ihrer Kinder. Weder in der nicht adjustierten noch in der adjustierten Analyse wurde ein Einfluss der konsumierten Milchmenge (aRR 1,04) oder des Milchfettgehalts (aRR 1,05) auf das Frakturrisiko beobachtet.

Berücksichtigt wurden neben sozioökonomischen Einflussfaktoren auch der BMI der Kinder, Vitaminsupplementationen und der Konsum zuckerhaltiger Getränke. Die Studienergebnisse, so die Autoren, stützten eine Reihe früherer Untersuchungen, in denen sich ebenfalls keine Frakturprävention durch höheren Milchkonsum nachweisen ließ. Um die Zusammenhänge endgültig zu klären, seien weitere prospektive Untersuchungen nötig. (St)

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GBA

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Kommentare
Dr. Schätzler

“War einmal ein Bumerang,
War ein kleines Stück zu lang.
Bumerang flog ein Stück,
Bumerang kam nicht zurück.
Publikum noch stundenlang,
Wartete auf Bumerang“ (Ringelnatz)

Was will uns das Autorenteam mit “Early Childhood Cow’s Milk Consumption and Fracture Risk: A Prospective Cohort Study” von Riley Allison et al.
https://academic.oup.com/aje/advance-article-abstract/doi/10.1093/aje/kwz216/5622682?redirectedFrom=fulltext
eigentlich näher bringen?
“In the primary and secondary adjusted analysis, an association between milk volume and fracture risk and milk fat content and fracture risk was not observed, (aRR= 1.04; 95%CI:0.87-1.26 (aRR= 1.05; 95%CI:0.84-1.31). In this study we did not identify a protective effect of early childhood cow’s milk volume or fat consumption on fracture risk in later childhood” bedeutet, dass das Frakturrisiko unabhängig von Milchkonsum-Menge und Milchfettgehalt war.

Wie man daraus unter elementarer Missachtung logischer Grundsätze ohne irgendeine Vergleichsgruppe z.B. mit Sojamilch, Mandelmilch oder anderen Ernährungs-Besonderheiten schließen kann, dass man keinen schützenden Effekt von Milchkonsum in Bezug auf Menge oder Fettgehalt in der frühen Kindheit identifizieren konnte, belegt m.E. eigentlich nur die elementare Dummheit dieser Publikation.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Dr. Schimmelpfennig

Die Untersuchung eines Zusammenhangs mit dem Frakturrisiko läßt keine Aussage zum Gesundheitsaspekt im Wachstumsalter von Kuhmilch im allgemeinen und der Knochengesundheit im besonderen zu. Insbesondere können daraus keine Ernährungsrichtlinien abgeleitet werden.


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