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Frühchen

Mit Nabelschnurblut gegen Hirnschäden

Stammzellen, durch die Nase Frühgeborener verabreicht, könnten Hirnschäden mildern.

Veröffentlicht:

BERN. Kommt ein Kind weit vor dem Termin auf die Welt, sind Hirnschädigungen durch Infektionen und Minderdurchblutung häufig. Stammzellen aus der eigenen Nabelschnur könnten diese Kinder möglicherweise vor lebenslangen Entwicklungsstörungen bewahren. Das zeigt eine Modell-Studie der Frauenklinik in Bern.

Die Geburt ist vorbei, das Neugeborene abgenabelt, und die Nabelschnur wird mit der Plazenta entsorgt. So ist zumindest der häufigste Ablauf. Dabei könnten die Stammzellen aus dem Nabelschnurgewebe unmittelbar nützen - etwa um Hirnschädigungen bei Frühgeburten zu behandeln.

Diesen Ansatz verfolgt das Forschungslabor Pränatale Medizin am Inselspital Bern laut einer Mitteilung.

In einer Studie am Tiermodell konnten die Mediziner zeigen, dass die Stammzellen aus der Nabelschnur tatsächlich schädliche Prozesse im Gehirn stark mindern können (Stem Cells Dev. 2016; 25(16): 1234-1242). Die Entwicklung einer schweren Hirnschädigung, der Cerebralparese mit lebenslanger Behinderung, könnte so vermieden werden. Und so funktionierte der neue Therapieansatz in der Studie:

Schritt 1: Stammzellen aus der Nabelschnur gewinnen

Nabelschnurgewebe wurde mit dem Einverständnis der Mütter in seine Bestandteile zerlegt und daraus wurden Stammzellen isoliert. Die gewonnenen Stammzellen kultivierten die Forscher im Reagenzglas und stellten ein Transplantat her.

Aufgabe der Zellen sollte sein, die Hirnschädigung weitgehend zu verhindern und die Markscheiden der Nervenbahnen zu schützen.

Schritt 2: Stammzellen durch die Nase ins Gehirn einpflanzen

Die gewonnenen Zellen wurden Versuchstieren in einer Art Nasenspray verabreicht: 600.000 Zellen, verteilt auf zwei Pumphübe pro Nasenloch.

Statt die Zellen direkt ins Gehirn zu pflanzen, ließ die nichtinvasive Methode die Stammzellen von selbst direkt entlang der Riechbahn in die geschädigten Zonen wandern.

Tatsächlich konnte die Studie zeigen, dass die injizierten Zellen im Gehirn ankommen und die Nervenverbindungen zwischen den Hirnhälften und dem Rückenmark fördern. Für eine künftige Stammzelltherapie von Hirnschädigungen, die um die Geburt entstehen, ist das ein erster Durchbruch.

Weitere Studien werden nun die beste Dosierung der Zellen und den idealen Zeitpunkt zur Verabreichung bestimmen, bevor klinische Studien an Neugeborenen folgen. (eb)

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