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Infektiologen fordern:

Multiresistenz bei TB stärker in den Fokus!

Forscher der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC prognostizieren einen deutlichen Inzidenzanstieg multiresistenter Tuberkulose besonders für Russland.

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KÖLN. Aktuelle Prognosen gehen davon aus, dass zum Beispiel in Russland in 20 Jahren fast ein Drittel aller Tuberkulose-Erkrankten von Infektionen durch multiresistente Tuberkulose-Erreger betroffen sein werden (Lancet Infect Dis. 2017, online 9. Mai), teilt die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI) mit. Im weltweiten Kampf gegen die Erkrankungen seien dringend Kampagnen nötig, die gezielter auf Eindämmung und Therapie multiresistenter Tuberkulose-Erreger fokussierten.

Alarmiert vom Anstieg multiresistenter Tuberkulose-Fälle (MDR-TB) weltweit hätten Forscher um Aditya Sharma von der US-Gesundheitsbehörde CDC mit Hilfe eines mathematischen Modells Szenarien für die Entwicklung der Fallzahlen bis 2040 in vier besonders betroffenen Ländern: Russland, Südafrika, Indien und den Philippinen berechnet. Sie prognostizieren einen deutlichen Inzidenzanstieg multiresistenter Tuberkulosefälle für alle vier Regionen, besonders für Russland.

Während in der Vergangenheit sich vor allem bei jenen Patienten Resistenzen entwickelten, die wegen einer Tuberkulose schon behandelt worden waren, würden die multiresistenten Erreger heute bereits bei Neuinfektionen übertragen, so die DGI in ihrer Mitteilung zur Veröffentlichung der Studie .

"Laut WHO haben sich zwischen 2009 und 2015 die MDR-TB-Fälle unter den neu infizierten in Europa mehr als verdoppelt – eine bedrohliche Entwicklung", wird Privatdozent Dr. Jan Rybniker, Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie am Universitätsklinikum Köln, von der DGI zitiert. "Die Infektionserkrankung rückt damit näher an uns heran: ein Drittel aller Fälle wurden aus Europa, überwiegend aus Osteuropa, gemeldet." 2015 gab es in Russland 42.000 MDR-TB-Neuinfektionen, in der Ukraine 12.000, in den EU-Anrainerstaaten Weißrussland und Moldawien 1990 beziehungsweise 1700. Mit 125 Erkrankungen an multiresistenter Tuberkulose (MDR-TB) im Jahr 2015 sei die Lage hierzulande derzeit nicht dramatisch, wenngleich auch in Deutschland die Fallzahlen zunehmen, so die DGI. Die Mehrheit der Betroffenen sei nicht in Deutschland geboren.

Weil die Tuberkulose nicht immer einfach zu diagnostizieren ist, bietet die DGI zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) Fortbildungen für Haus- und Fachärzte an.

"Im Fall der Tuberkulose mussten wir erleben, dass weniger als zwei Jahre nach der Zulassung der einzigen neuen Medikamente, die seit mehr als 45 Jahren zur Therapie der TB entwickelt wurden, es bereits 2015 den ersten Fall eines Patienten gab, bei dem die Tuberkulose-Erreger auch gegen die neuen Medikamente resistent waren." Um dies zu vermeiden, müsse der Umgang mit Medikamenten kontrolliert und durchdacht erfolgen und gehöre in die Hände von erfahrenen Infektiologen an spezialisierten Zentren, so Professor Christoph Lange, Leiter der Klinischen Infektiologie am Forschungszentrum Borstel.

An der Medizinischen Klinik des Forschungszentrums Borstel, dem Klinischen TB Zentrum im DZIF, wurden seit Beginn 2015 mehr als 60 Patienten mit multiresistenter und extensiv-resistenter Tuberkulose stationär behandelt. Aufgrund der translationalen Umsetzung neuer grundlagenwissenschaftlicher Erkenntnisse in die klinische Praxis und einer engen Zusammenarbeit der klinischen Infektiologen mit Mikrobiologen und Molekularbiologen seien selbst für diese Patienten die Heilungsaussichten exzellent, so der Experte. Weltweit können aber nur weniger als 50 Prozent der Patienten mit einer MDR-TB erfolgreich behandelt werden. (eb)

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