Direkt zum Inhaltsbereich

Neue Erkenntnisse zu chronischen Schmerzen bei Kindern

Veröffentlicht:

Mannheim(eb). Nervenschädigungen lassen sich durch die neue Messmethode der Quantitativen Sensorischen Testung (QST) erkennen. In Studien wurde das Verfahren erstmals auch bei Kindern angewandt, wie beim Deutschen Schmerzkongress in Mannheim berichtet wird.

Rund 200 000 Kinder in Deutschland leiden unter chronischen Schmerzen, die ohne richtige Behandlung meist bis ins Erwachsenenalter andauern. Im Gegensatz zu den Schmerzen bei Erwachsenen ist die Entstehung von Schmerzen bei Kindern noch wenig erforscht. Fest steht, dass sie sich deutlich voneinander unterscheiden, sodass sich Erkenntnisse aus Studien mit Erwachsenen nicht einfach auf Kinder übertragen lassen. Neue Untersuchungen mit der Quantitativen Sensorischen Testung (QST) haben jetzt Erkenntnisse zu den Besonderheiten des Schmerzes bei Kindern erbracht. "Diese Ergebnisse werden voraussichtlich auch die Behandlung in Zukunft erheblich verbessern", meint Studienleiter Dr. Markus Blankenburg, Kinderarzt und Neurologe von der Vestischen Kinder- und Jugendklinik Datteln.

Die QST wurde in den letzten Jahren vom Deutschen Forschungsnetz Neuropathischer Schmerz (DNFS) entwickelt und erprobt. Sie ist die einzige Methode, um die Funktionsfähigkeit dünner Nervenfasern klinisch zu testen. Die QST besteht aus einer Reihe von einfachen und harmlosen Tests wie der Messung der Schmerz- und Wahrnehmungsschwelle für Hitze, dumpfen Druck und Reizung mit einem spitzen Gegenstand. Menschen mit Nervenschäden zeigen charakteristische QST-Profile, die sich durch stärkere oder schwächere Empfindlichkeit für einen bestimmten oder auch mehrere Reize auszeichnen.

Bewerten lässt sich das QST-Profil eines Patienten mit Nervenschäden aber nur im Vergleich mit dem Profil gesunder Kontrollpersonen. Die Dattelner Forscher haben deshalb erstmals Referenzwerte für Kinder ab sechs Jahren ermittelt und die QST somit für diese Patientengruppe einsetzbar gemacht. Blankenburg: "Das Testverfahren eignet sich gut für Kinder, weil sie mit keinem Eingriff verbunden, also nicht-invasiv, leicht erlernbar und kosteneffizient ist."

Schmerzen bei Kindern mit Gehirnschäden rühren nicht von Muskelverkrampfungen

Kinder und Jugendliche, die vor oder während der Geburt einen Gehirnschaden erlitten haben (infantile Cerebralparese), leiden unter starken Muskelverkrampfungen, die auch die Gelenke verformen können. Viele von ihnen haben Schmerzen, von denen man bisher angenommen hatte, dass sie durch die Verspannungen entstehen. Bei der Studie fanden sich jetzt deutliche Hinweise, dass die Schmerzen durch eine Schädigung der Nervenbahnen selbst bedingt sind. "Solche Nervenschmerzen müssen mit ganz anderen Medikamenten behandelt werden als Schmerzen durch Verspannungen", so Blankenburg.

QST lässt Schäden durch Diabetes früh erkennen

Eine weitere Studie hat gezeigt, dass sich die QST gut eignet, um Nervenschäden durch Diabetes bei Kindern zu entdecken, noch bevor das Kind sie bemerkt. "Die Hälfte der Kinder mit Typ-1-Diabetes, die wir untersucht haben, hatte schon Nervenschäden", berichtet Blankenburg. Er vermutet, dass sich diese Schäden bei Kindern durch eine bessere Einstellung des Blutzuckers und vielleicht auch durch Medikamente wieder zurückbilden könnten. Die QST-Messung eignet sich also nicht nur als Screening-Verfahren, sondern kann auch helfen, die Wirksamkeit von Medikamenten zu überprüfen.

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Studien CLIMB THAL-111 und -131: Veränderung des Gesamt-Hb-Werts und des HbF-Werts nach Exa-cel-Infusion bei TDT-Patientinnen und -Patienten (Quelle: Locatelli F et al., European Society for Blood and Marrow Transplantation (EBMT) 2026, Madrid, Spanien, Abstract GS2-5)

© Springer Medizin Verlag

Neue Perspektiven bei Hämoglobinopathien

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Vertex Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Abb. 1: Folgen einer Fehldiagnose bei Menschen mit einer Seltenen Erkrankung (SE), die angaben, dass ihre SE oder die SE einer von ihnen betreuten Person mindestens einmal falsch diagnostiziert wurde (n=4.756)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Neuromyelitis-Optica-Spektrum-Erkrankungen

Weshalb das rechtzeitige Erkennen und Behandeln wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Ofatumumab zeigt günstiges 8-Jahres-Sicherheitsprofil

© William / Generated with AI / Stock.adobe.com

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

Ofatumumab zeigt günstiges 8-Jahres-Sicherheitsprofil

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Raumfahrtmediziner im Porträt

Jens Jordan – ein Arzt für Weltall und Erde

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Lesetipps
Dreidimensionale gerenderte Darstellung der Anatomie des menschlichen Herzens.

© PIC4U / stock.adobe.com

Schutzmechanismus entdeckt?

Warum Krebs im Herzen selten vorkommt

Eine Frau hat einen kleinen Ventilator in der Hand.

© Marcus Brandt/dpa

Auf einen Blick

Unsere Beiträge zum Thema Hitze in der Übersicht