Direkt zum Inhaltsbereich

Neue Hinweise auf Glitazon-Wirkung bei Morbus Alzheimer

BERLIN (gvg). Trotz einer Studie mit negativem Ergebnis: Das letzte Wort zum Thema Glitazone ist bei Morbus Alzheimer noch nicht gesprochen. Daten einer Studie mit Pioglitazon geben jetzt zumindest Hinweise, dass die Substanz Morbus Alzheimer verzögern kann.

Veröffentlicht:

Die aus der Diabetes-Therapie als Insulinsensitizer bekannten Glitazone hemmen auch die Sekretase, ein Enzym, das für die Bildung von BetaAmyloid zuständig ist. Beta-Amyloid ist der wichtigste Bestandteil der Alzheimer-Plaques, die bei der Entstehung der Alzheimer-Demenz von Bedeutung sind.

Dass Glitazone möglicherweise vor Morbus Alzheimer schützen, geht aus epidemiologischen Daten hervor. In einer retrospektiven Auswertung bei über 140 000 Typ-2-Diabetikern habe sich gezeigt, dass diejenigen, die über zwei Jahre lang mit Insulinsensitizern behandelt wurden, ein um 40 Prozent geringeres Alzheimer-Risiko hatten, wie Professor Michael Heneka von der Universität Münster sagte.

"Leider verlief eine prospektive Phase-II-Studie mit Rosiglitazon bei 500 Alzheimer-Patienten nicht erfolgreich", berichtete Professor Jörg Schulz von der Universität Göttingen bei einem Psychiatrie-Kongress in Berlin.

Im Rückblick habe sich bei dieser Studie allerdings herauskristallisiert, dass es zumindest eine Subgruppe von Patienten gab, die möglicherweise doch von der Therapie profitiert hat. Es handelte sich dabei um jene Patienten, die nicht über den Genotyp 4 des Apolipoproteins E (ApoE4) verfügten.

Menschen mit diesem Genotyp haben bekanntlich ein deutlich erhöhtes Alzheimer-Risiko. "Es wird deswegen jetzt drei weitere Studien geben, in denen überprüft wird, ob sich durch eine ApoE-Analyse im Vorfeld die Patienten identifizieren lassen, die von Rosiglitazon profitieren könnten", so Schulz.

Heneka möchte die Glitazone ebenfalls noch nicht ad acta legen. Er hat vor allem mit Pioglitazon Untersuchungen gemacht und setzt auf diese Substanz, weil sie die Blut-Hirn-Schranke besser überwindet.

Erste klinische Daten geben ihm Recht: In einer placebokontrollierten Pilotstudie mit 30 Alzheimer-Patienten gab es nach 18 Monaten zwar keinen signifikanten Vorteil für die Pioglitazon-Therapie bei den kognitiven Fähigkeiten, wohl aber eine Tendenz zugunsten des Glitazons. Heneka hofft jetzt auf weitere Studien, an denen mehr Patienten als bisher teilnehmen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Hoffnung auf bessere Alzheimer-Therapie

Lesen Sie dazu auch: Kranken mit Demenz fehlt im Gehirn Insulin

 

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Demenzprävention?

Alzheimer: Bei wem Fleischkonsum doch von Vorteil sein könnte

Das könnte Sie auch interessieren
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Signalkaskade der kardiovaskulären Inflammation

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [9]

Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt

Therapie der kardiovaskulären Inflammation senkt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APONTIS PHARMA Deutschland GmbH & Co. KG

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Tab. 1: Stufentherapieschema zur verlaufsmodifizierenden Therapie der generalisierten Myasthenia gravis

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Generalisierte Myasthenia gravis

Krankheitssymptome und Therapielast wirksam lindern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Fußball-Weltmeisterschaft

WM-Kolumne: Spitzensport schützt – und hinterlässt Spuren

„ÄrzteTag“-Podcast

Wie kommuniziert man Zahlen und Risiken verständlich, Dr. Lühnen?

Lesetipps
Einzelne Bilder von Lebensmitteln die reich an Histamin sind.

© PhotoSG / stock.adobe.com

Mythos mit Nebenwirkungen

Verdacht auf Histaminintoleranz: Wie Sie jetzt vorgehen

Schatten eines übergewichtigen Menschen an einer Wand.

© Luluraschi / stock.adobe.com

Fettleibigkeit beginnt im Gehirn

Adipositas: Wechselspiel zwischen Genetik, Hirn und Mikrobiom