Doppelter Wirkmechanismus

Neue Option bei Reizdarmsyndrom mit Diarrhoe

Bei Patienten mit Reizdarmsyndrom wirkt ein neues Therapeutikum doppelt: Es stellt den Mukosaschutz wieder her und stimuliert das Wachstum schützender Darmbakterien.

Von Roland Fath Veröffentlicht: 24.10.2018, 05:31 Uhr

HAMBURG. Rund elf Prozent der Deutschen haben einen Reizdarm und leiden bekanntlich unter Symptomen wie Durchfall und Verstopfung – oft im Wechselspiel –, Blähungen und Bauchschmerzen. Für Patienten mit Diarrhoe als vorherrschendem Symptom gibt es seit Kurzem eine neue Therapieoption: Gelsectan®, das Saccharide und pflanzliche Proteine enthält, wirkt physikalisch über eine Wiederherstellung des Mukosaschutzes und Stimulation schützender Darmbakterien.

Die beiden Wirkmechanismen ergänzen sich, berichtete Tanja Wagner vom Unternehmen Klinge Pharma, das das Medizinprodukt der Klasse IIa in Deutschland vermarktet. Entwickelt wurde es vom spanischen Unternehmen Noventure.

Wagner hob die filmbildenden Eigenschaften des Polysaccharids Xyloglucan und der pflanzlichen Proteine (Extrakte aus Erbse, Trauben und Tamarinde) hervor. Auf der Darmschleimhaut entstehe ein Schutzfilm, der sie widerstandsfähiger gegenüber Pathogenen mache und die normale Darmfunktion wiederherstellen könne. Die Verringerung der Darmpermeabilität sei bei Reizdarmpatienten mit Diarrhoe ein zentraler Therapieansatz.

Xylooligosaccharide, ebenfalls im neuen Produkt enthalten, stimulierten lokal das Wachstum und die Aktivität von Laktobazillen und Bifidobakterien und verbesserten so das Mikrobiom.

Aufgrund der dualen Wirkweise werde die Durchfallsymptomatik oft schon wenige Stunden nach der Einnahme gelindert, berichtete Wagner. Das wurde in einer klinischen Studie bei 150 Reizdarmpatienten mit Durchfall dokumentiert. Bereits nach 6 Stunden war die Häufigkeit von Durchfällen verringert und nach 24 Stunden hatten Abdominalschmerzen abgenommen.

In einer weiteren, noch unveröffentlichten Studie bei 100 Patienten hatten sich die Schmerzen nach drei Monaten um rund ein Drittel verringert. 20 Prozent der Behandelten sagten, "es geht mir wirklich besser", so Wagner. Außerdem wurde auch die Häufigkeit von Stuhlinkontinenz verringert.

Patienten mit Reizdarmsyndrom sollten möglichst gezielt nach den vorherrschenden Symptomen behandelt werden, berichtete Dr. Sven Georgi, niedergelassener Allgemeinmediziner aus Berlin. Das Syndrom nimmt nach seiner Erfahrung zu. Betroffen sind mehrheitlich Frauen im Alter von 30-50 Jahren, aber gerade bei Männern sei mit einer Dunkelziffer zu rechnen. Georgi plädierte für eine sorgfältige Ursachensuche inklusive Atemtests zum Nachweis von Nahrungsmittelunverträglichkeiten.

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