Hpb-Glutamat Dehydrogenase

Parasiten-Larven sollen allergisches Asthma lindern

Das Protein Hpb-Glutamat Dehydrogenase aus den Larven eines Wurmparasiten könnte helfen, Immunreaktionen bei allergischem Asthma zu dämpfen. Es gibt erste präklinische Erfolge.

Veröffentlicht: 27.04.2020, 12:58 Uhr
Neuer Ansatz bei allergischem Asthma: Das Protein Hpb-Glutamat Dehydrogenase sorgt dafür, dass sich der Anteil der entzündungsfördernden Botenstoffe reduziert. (Symbolbild mit Fotomodell)

Neuer Ansatz bei allergischem Asthma: Das Protein Hpb-Glutamat Dehydrogenase sorgt dafür, dass sich der Anteil der entzündungsfördernden Botenstoffe reduziert. (Symbolbild mit Fotomodell)

© AntonioGuillem / stock.adobe.com

München. Die Larven des Rundwurms Heligmosomoides polygyrus, kurz Hpb, brauchen ein besonderes Umfeld um zu überleben: Sie müssen in die Darmschleimhaut von Nagetieren eindringen, um zu geschlechtsreifen Würmern heranwachsen zu können.

Dazu müssen die winzigen Larven jedoch das Immunsystem ihres Wirts überwinden, das sich mit Entzündungsreaktionen, Sekretion von Flüssigkeit und Muskelkontraktionen gegen die Eindringlinge wehrt, teilt die Technische Universität München (TUM) mit.

„Die Larven des Wurmparasiten hätten gegen diese Abwehrreaktionen normalerweise keine Chance. Doch sie verfügen über Wirkstoffe, mit denen sie die Immunantwort des Wirts gezielt regulieren können“, wird Dr. Julia Eßer-von Bieren, Forscherin am Zentrum Allergie und Umwelt (ZAUM) der TUM und des Helmholtz Zentrums München, in der Mitteilung zitiert. Diese Wirkstoffe wollen die Forscher für die Therapie von chronischen Entzündungskrankheiten nutzbar machen.

Ein Wurmprotein verändert die Immunantwort

Zusammen mit ihrem Team konnte Eßer-von Bieren jetzt eine Substanz isolieren, identifizieren und analysieren, mit der die Wurm-Larven das Immunsystem ihres Wirts austricksen: Das Protein Hpb-Glutamat Dehydrogenase aktiviert verschiedene immunregulatorische Stoffwechselwege (Science Translational Medicine, online 22. April 2020).

Diese sorgen dafür, dass sich in den Immunzellen des Wirtsorganismus entzündungshemmende Botenstoffe bilden. Gleichzeitig wird der Anteil der entzündungsfördernden Botenstoffe reduziert, heißt es in der Mitteilung.

„Die Fähigkeit der Hpb-Glutamat Dehydrogenase, die Immunantwort abzuschwächen, macht sie zu einem aussichtsreichen Kandidaten für die Therapie von chronischen Atemwegsentzündungen“, betont die Forscherin. Oft sind Atemwegserkrankungen, beispielsweise allergisches Asthma, die Folge einer Überreaktion des Immunsystems: Es kommt bekanntlich zu einer Überproduktion von entzündlichen Botenstoffen, den Leukotrienen.

Erfolg bei Mäusen mit allergischem Asthma

Dass sich mit den Larven-Proteinen eine Entzündungsreaktion dämpfen lässt, konnten die Forscher an Mausmodellen mit allergischem Asthma zeigen. Und auch Untersuchungen an menschlichen Zellkulturen lieferten ermutigende Ergebnisse, berichtet Eßer-von Bieren.

„Wir haben uns vor allem die Wirkung auf bestimmte menschliche Immunzellen, die Makrophagen, angesehen. Wenn diese dauerhaft aktiviert sind, entstehen chronische Entzündungen. Durch Zugabe von Hpb-Glutamat Dehydrogenase konnten wir die pro-entzündliche Aktivität der Makrophagen deutlich absenken. Dabei hat sich gezeigt, dass die Substanz wirkungsvoller ist als Kortison.“

Der Weg bis zum fertigen Medikament, sei jedoch noch lang, betont die Wissenschaftlerin: „Wir sind in der präklinischen Phase und müssen noch viele Fragen beantworten. Beispielsweise wie das Wurmprotein von Zellen in den Atemwegen aufgenommen wird und welche Auswirkungen es insgesamt auf das menschliche Immunsystem hat.“ (eb/ikr)

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