Praxis dicht - das ist kontraproduktiv

Christian BenekerVon Christian Beneker Veröffentlicht:

Zwei Hausarztpraxen in Niedersachsen mussten auf Geheiß zweier Gesundheitsämter schließen. Die Ärztinnen galten als potenzielle Krankheits-Überträger. Im Dunkeln bleibt, warum nur Arztpraxen, nicht aber auch Apotheken, Supermärkte oder Kinos, in denen sich H1N1-Patienten aufgehalten haben, dicht machen mussten. Auch hier kann das Personal die Besucher gefährden.

Doch Praxen sind primär nicht Orte der Gefährdung, sondern der Genesung. Stellten die Beamten sich vor, dass Hausärzte den Mundschutz zur ständigen Arbeitskleidung machen sollten? Außerdem schadete das Verbot der Versorgung. Der Praxis-Kollege im Urlaub, die Vertretung krank - in einem ohnehin schlecht versorgten Gebiet in Niedersachsen waren durch die Arbeitsverbote zeitweise 300 Patienten pro Tag ohne Arzt. Man kann nur hoffen, dass keine Pandemie-Kranken darunter waren. Im Übrigen müssen die betroffenen Kolleginnen sich jetzt mit der Beschaffung der entgangenen Honorare herumärgern.

Immerhin hat die Landesregierung nun die Reißleine gezogen und festgelegt, dass Ärzte im Zweifel nur noch informiert, aber nicht mehr isoliert werden müssen. Gut so. Es wäre fatal, wenn ausgerechnet Hausärzte während einer Pandemie nicht arbeiten dürften.

Lesen Sie dazu auch: Kein Mundschutz: Behörden machen Arztpraxen dicht Länder bereiten Verträge für Kauf von Impfstoff vor

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund: Nach bizarren Szenen in Niedersachsen sind Praxisschließungen erst einmal vom Tisch

 

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