Primärprävention großes Thema bei Hausarztverträgen

Hausärzte, Diabetologen und Kardiologen wollen an einem Strang ziehen, wenn es um Primärprävention geht.

Wolfgang van den BerghVon Wolfgang van den Bergh Veröffentlicht:

STUTTGART. Die Primärprävention muss verbessert werden, um zu verhindern, dass sich Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen weiter ausbreiten. Dabei sollte die Zusammenarbeit zwischen Hausärzten, Kardiologen und Diabetologen weiter ausgebaut werden, lautete das einhellige Fazit beim 4. Medi-Symposion "Diabetes mellitus - Stoffwechsel und Herz" in Stuttgart.

Hausarztverträge in Kombination mit Facharztverträgen böten eine ideale Grundlage, das Thema Primärprävention abgestimmt anzugehen, sagte Dr. Christopher Hermann.

Als Beispiel führte der AOK-Landes-Vize die Check-up-Untersuchungen an: Hier sei die Inanspruchnahme bei Versicherten, die im Hausarztvertrag eingeschrieben sind, doppelt so hoch (über 44 Prozent) wie etwa bei nicht eingeschriebenen Versicherten. Hermann: "Wir wollen erreichen, dass wir den Fokus nicht nur auf die Kuration, sondern stärker auf die Prävention legen."

Es ergebe auch keinen Sinn, darauf zu warten, bis ein von der Politik angestoßener gesamtgesellschaftlicher Konsens erreicht sei. "Hier helfen nur kleine Schritte weiter, um die Menschen davon zu überzeugen, dass sie etwas tun müssen, um einen Diabetes zu verhindern oder das KHK-Risiko zu reduzieren", ergänzte Bernhard Mohr, Chef der BKK Bosch.

Medi-Vize Ekkehard Rübsam-Simon erinnerte an die vielen verzweifelten Versuche, ein bundesweites Präventionsgesetz zu beschließen. Auch die dazu im Koalitionsvertrag von der Bundesregierung gemachten Äußerungen seien mehr als vage.

Im Übrigen spielten die niedergelassenen Ärzte dabei keine Rolle. Rübsam-Simon weiter: "Prävention ist keine Spezialisten-Aufgabe, sondern eine Querschnittsaufgabe." Hier seien insbesondere Hausärzte und Internisten gefordert.

Ein weiterer Schritt, frühzeitig einen Diabetes zu verhindern oder das KHK-Risiko zu reduzieren, könne durch eine Verbesserung der Screening-Methoden erreicht werden, sagte Dr. Anne Gräfin Vitzthum, stellvertretende Vorsitzende der Vertreterversammlung der KV Baden-Württemberg.

 Durch eine gezielte Erweiterung der Labor-Parameter könnten so Rückschlüsse sowohl auf einen möglichen Diabetes als auch auf ein kardiovaskuläres Risiko gezogen werden. Vitzthum kritisierte zudem auch die Honorierung der Prävention. Das Honorar liege oftmals niedriger als der Bonus, den manche Kassen bereit seien, ihren Versicherten für die Vorsorge zu zahlen.

Zuvor hatten sich die Professoren Diethelm Tschöpe, Andreas Nieß und Andreas Fritsche für eine individualisierte Prävention ausgesprochen. Seit Jahren seien die Zusammenhänge zwischen Diabetes und KHK bekannt und mehrfach in Studien belegt worden. So sei das kardiovaskuläre Risiko abhängig vom Ausmaß der diabetischen Stoffwechselerkrankung.

Es sei daher wichtig, nicht nur über die Sektorgrenzen zwischen Klinik und Praxis zu diskutieren, sondern vielmehr die Versorgungsgrenzen zwischen den einzelnen Disziplinen zu überwinden. An die eigene Adresse gerichtet waren sich alle drei einig, dass nicht nur die Kommunikation zwischen Hausärzten, Kardiologen und Diabetologen verbessert werden müsse, sondern auch zwischen Arzt und Patient.

Die Einsicht, sich gesundheitsbewusst zu verhalten, sei zwar da, doch es fehle oftmals der Wille, den Lebensstil tatsächlich zu ändern. Hier müsse die Beratung durch den Arzt ansetzen. Diese Möglichkeit werde durch die angesprochenen Verträge geboten.

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