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Pulmonale arterielle Hypertonie ist häufiger als gedacht

BERLIN (sir). Es gibt offenbar weltweit mehr Patienten mit pulmonaler arterieller Hypertonie (PAH) als bis vor kurzem noch vermutet. Aber: Die Möglichkeiten einer gezielten Therapie haben sich ebenfalls vermehrt - sie muss nur früh genug beginnen.

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"Die Prävalenz der pulmonalen arteriellen Hypertonie liegt sicherlich nicht, wie früher angenommen, bei einem oder zwei, sondern bei etwa 30 Fällen pro Million Menschen in der Allgemeinbevölkerung." Dies konstatierte Professor Andrew J. Peacock aus Glasgow bei einem von GlaxoSmithKline unterstützten Symposium. Er fasste damit aktuelle Daten zur PAH aus Registern in Schottland, Frankreich und den USA zusammen. Auch sei der "typische" PAH-Patient heute dank moderner Behandlungsmöglichkeiten nicht mehr so jung, so Peacock: "Das Durchschnittsalter der Betroffenen ist in den letzten 25 Jahren von 41 auf 52 Jahre gestiegen."

Dreiviertel werden erst im späten Stadium entdeckt.

Immerhin stehen inzwischen acht medikamentöse Therapien zur Verfügung, die gezielt an drei verschiedenen Pathomechanismen der Erkrankung ansetzen. Nach Worten von Peacock bekommen etwa 45 Prozent der PAH-Patienten derzeit eine Monotherapie mit einem dieser Wirkstoffe aus den Klassen der Prostazyklin-Analoga, PDE-5-Hemmer oder Endothelin-Rezeptor-Antagonisten (ERA) oder mit einem Kalziumkanalblocker. Letzterer sei aber eher als Background-Therapeutikum einzuordnen. 36 Prozent der Patienten erhalten laut Peacock Wirkstoffe aus zwei, neun Prozent sogar Wirkstoffe aus drei verschiedenen Klassen zugleich. Lediglich acht Prozent der Betroffenen bekommen ausschließlich eine Background-Therapie, etwa mit Diuretika, Digoxin, Sauerstoff und/oder Antikoagulanzien.

Um in den Genuss einer modernen Mono- oder Kombi-Therapie zu kommen, müssen die Betroffenen aber erst einmal entdeckt werden. "Je früher ein PAH-Patient entdeckt wird, desto besser ist seine Prognose", betonte Professor Hossein-Ardeschir Ghofrani von der Universität Gießen. So lebten PAH-Patienten, deren Erkrankung im frühen Stadium der WHO-Funktionsklassen I oder II diagnostiziert wurde, noch durchschnittlich sechs Jahre. Bei einer Erstdiagnose im Stadium der Funktionsklasse III seien es noch etwa zweieinhalb Jahre, bei der Funktionsklasse IV nur ein halbes Jahr. "Da die Symptome aber sehr unspezifisch sind, werden auch heute noch, wie vor 20 Jahren, drei Viertel der Patienten erst in den späten Stadien III und IV entdeckt", bedauerte Ghofrani.

Patienten mit unerklärlicher Atemnot bei Belastung sollten deshalb unverzüglich zum Facharzt überwiesen werden. "Dies unterbleibt oft einfach deshalb, weil PAH weder eine reine Lungenerkrankung noch eine reine Kreislauferkrankung ist und niemand sich wirklich zuständig fühlt", beklagte Peacock. Letztlich spiele es keine Rolle, wer die PAH diagnostiziere, wenn es nur rechtzeitig geschehe.

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