Tuberkulose

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Es fehlen bessere Prävention, Diagnostik und koordinierte Therapie-Richtlinien.

Wolfgang GeisselVon Wolfgang Geissel Veröffentlicht:
Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt.

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt.

© chromorange / picture-alliance

KAPSTADT. Die weltweite Zunahme multiresistenter Erreger bedroht die jahrzehntelangen Fortschritte im Kampf gegen die Tuberkulose (TB), warnen internationale TB-Experten um Professor Keertan Dheda von der Universität Kapstadt. In einem Bericht zum "Welttuberkulosetag" am 24. März listen sie Schwachstellen der Tuberkulose-Kontrolle auf (Lancet 2017; online 23. März).

Mit Arzneien wie Bedaquilin, Delamanid und Linezolid gibt es zwar erstmals seit Jahren neue TB-Medikamente. Ohne weitere Maßnahmen zur Bekämpfung der Krankheit werde aber die Wirksamkeit der neuen Mittel aufs Spiel gesetzt, betonen die Experten. So fehlten Leitlinien zur Verordnung, optimalen Dosierung und Anwendung sowie eine präzise Diagnostik für gezielte individuelle Therapien. Wichtig seien zudem verbesserte Kontrollmaßnahmen, um die Verbreitung der Erreger einzudämmen. Eine wirksame TB-Kontrolle sei zudem nur in gut funktionierenden Gesundheitssystemen möglich, die es in vielen Entwicklungsländern bisher nicht gibt.

Tuberkulose gehört weiter zu den Krankheiten mit den meisten Todesfällen. Das Vorkommen der Infektionskrankheit ist weltweit sehr ungleich verteilt: 2015 traten 60 Prozent der Fälle in nur sechs Staaten auf: Indien, Indonesien, China, Nigeria, Pakistan und Südafrika. 2015 erkrankten nach den Schätzungen der WHO 10,4 Millionen Menschen weltweit an TB und 1,8 Millionen sind daran gestorben.

Sorgen bereiten die knapp eine halbe Million Fälle von multiresistenter TB (MDR-TB) im Jahr 2015. Nur rund 20 Prozent der Betroffenen wurden gezielt dagegen behandelt und selbst bei einer angemessenen Therapie mit einem Arzneimittel-Cocktail über Jahre liegen die Chancen auf Heilung nach WHO-Angaben nur bei 52 Prozent. Jede zehnte multiresistente TB ist extensiv multiresistent (XDR-TB), das heißt, gegen die Erreger sind nicht nur die First-Line-Medikamente Isoniazid und Rifampicin unwirksam, sondern auch Fluorchinolone und die injizierbaren Second-Line-Medikamente, so die WHO. Bei XDR-TB liegen die Heilungs-Chancen aber nur noch bei 28 Prozent.

Trotz dieser Fakten hat die WHO Mycobacterium tuberculosis kürzlich nicht auf die Liste der multiresistenten Bakterien gesetzt, gegen die prioritär neue Antibiotika entwickelt werden müssen. Mit der Liste soll auf dem G20-Gipfel in Hamburg ein ökonomisches Programm zur Förderung der Antibiotika-Forschung erarbeitet werden. TB finde sich nicht auf dem Papier, weil dagegen in anderen Programmen neue Medikamente entwickelt würden, argumentiert die WHO.

Dies wird von der TB Alliance scharf kritisiert. Die öffentlich-private Partnerschaft koordiniert weltweit die Tuberkulose-Arzneiforschung. Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit sei durch TB bedingt, so die Allianz. Werde nicht gehandelt, könnten an MDR-TB binnen 35 Jahren 75 Millionen Menschen sterben. Trotzdem gingen die Mittel zur Forschung für neue Arzneien und Impfstoffe zurück. Im "WHO Global Plan to Stop TB" habe es 2011 bis 2015 ein Defizit von 2,4 Milliarden US-Dollar gegeben, so die Allianz.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Röntgen-Thorax führte zur Diagnose

Kasuistik: Negativer D-Dimer-Test trotz akuter Lungenembolie

Das könnte Sie auch interessieren
Welche Rolle spielt Zink?

© Tondone | AdobeStock

Immunsystem unterstützen:

Welche Rolle spielt Zink?

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Impf- und Zinkstatus im Blick

© Wörwag Pharma | KI-generiert

Bei Risikogruppen:

Impf- und Zinkstatus im Blick

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

© artemidovna | AdobeStock

Ernährungsfallen:

Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Praxisfall im Podcast: Atemwegsinfekt

© Bionorica SE

Phytoneering-Akademie

Praxisfall im Podcast: Atemwegsinfekt

Anzeige | Bionorica SE
Antibiotika – Fluch und Segen

© Bionorica SE

Podcast

Antibiotika – Fluch und Segen

Anzeige | Bionorica SE
Brauchen wir noch Antibiotika?

© deepblue4you | iStock

Content Hub

Brauchen wir noch Antibiotika?

Anzeige | Bionorica SE
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema

Ist das AMNOG bereit für HIV-Innovationen?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Arzneiforschung: Von Innovationen profitieren nicht nur Patienten, sondern immer auch die Gesellschaft als Ganzes.

© HockleyMedia24 / peopleimages.com / stock.adobe.com

Nutzenbewertung

Arznei-Innovationen: Investition mit doppeltem Nutzen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa)
Abb. 2: TriMaximize-Studie: Verbesserung der Lebensqualität nach Umstellung auf extrafeine Dreifachfixkombination

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [8]

Mittelgradiges bis schweres Asthma bronchiale

Bessere Kontrolle und Lebensqualität unter inhalativer Triple-Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Chiesi GmbH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Bundesfinanzministerium erklärt Voraussetzungen

Aktivrente 2026: Was Ärztinnen und Ärzte wissen müssen

Lesetipps
Die Pressekonferenz zum DKK 2026 mit zahlreichen Menschen auf dem Podium.

© Peter-Paul-Weiler

DKK 2026

Immuntherapie bei Krebs: Komplexe Kombinationen gefragt

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe
Blick in den Darm mit einem Krebsgeschwür.

© Juan Gärtner / stock.adobe.com

Gastrointestinale Tumoren

Magen-Darm-Krebs: Wirklich immer früher?

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe
Logo des 37. Deutschen Krebskongresses 2026

© Deutscher Krebskongress

Themenseite

Alles zum Deutschen Krebskongress