Kommentar

Rheumakranke Lückenbüßer

Von Robert Bublak Veröffentlicht: 01.02.2019, 12:17 Uhr

Es sind erschreckende Zahlen, die eine deutsche Studie zutage gefördert hat. Hiernach weisen hierzulande mehr als 80 Prozent der Patienten mit Rheumatoider Arthritis (RA) mindestens zwei zusätzliche Krankheiten auf. Rund elf Prozent sind sogar an mindestens acht (!) weiteren Leiden erkrankt.

Verstörend an den Ergebnissen ist auch der Versorgungsaspekt. Wie es nämlich aussieht, werden die Patienten umso seltener von einem Rheumatologen betreut, je mehr Komorbiditäten sie aufweisen. Im Präsidium der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) nimmt man die Hausärzte in die Pflicht. Sie müssten Patienten über gezielte Therapien informieren und an internistische Rheumatologen überweisen.

Wenn es so einfach wäre. Zwischen bedarfsgerechter und tatsächlicher rheumatologischer Versorgung klafft in Deutschland seit je eine Lücke. Laut Zahlen eines Memorandums, das die DGRh vor zwei Jahren selbst erstellt hat, arbeiten in Deutschland nicht einmal 800 Rheumatologen, umgerechnet 1,1 je 100.000 Einwohner. Benötigt würden mindestens doppelt so viele.

Für die Lücke büßen die Patienten: Allein an RA sind in Deutschland schätzungsweise 1,6 Millionen Menschen erkrankt. Damit ist sie die häufigste entzündliche Gelenkerkrankung. Aber beileibe nicht die einzige.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund: Versorgungslücke: Multimorbide Rheuma-Patienten selten beim Facharzt

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Kommentare
Lissy Andersson

Kann ich bestätigen

Danke für diesen Bericht, ich glaube de Dunkelziffer liegt sogar höher was das Thema betrifft.

Leider kann ich das selbst bestätigen, nach 46 Jahre schwerste aktive RA, habe ich mittlerweile zwei hartnäckige Begleiterkrankungen dazu entwickelt. Wie z.b eine Psoriasis intertriginosa, dazu eine starke Lichtempfindlichkeit.
Meine Haut das größte Organ ist superempfindlich geworden.

Wenn andere sich über die Sonne freuen, ist es für meine Haut purer Stress.
Mein Gesicht wird eine einzige Feuerqualle, wenn sie Sonne abbekommt - sie ist entzündet , inklusive Augen.

Zum Glück habe ich einen super Rheumatologen der meine Begleiterkrankungen sehr Ernst nimmt und mit behandelt.

Mittlerweile habe ich aber mehr Angst, wenn er mal in Rente geht. Fachärzte wie er, gibt es sowenig.
Meine RA denkt noch lange nicht daran in Rente zugehen. Trotz den besseren Therapien die zu Verfügung stehen, ist meine RA aktiv.

Dr. Thomas Georg Schätzler

Hausärzte als Lückenbüßer?

Bei knapp 600.000 Einwohnern haben wir in Dortmund nur 4 ambulant vertragsärztlich tätige Rheumatologen. Da ist es nachvollziehbar, dass diese sich eher auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren, als auf eine Fülle von möglichen Co-Morbiditäten einzugehen.

Aber ist es dann richtig, diese Zusatz-Lasten auch noch den Haus-Ärztinnen und -Ärzten aufzubürden? Was wir gar nicht gebrauchen können, sind Schmalspur-Rheumatologen, die ihr eigentliches Fachgebiet nur mit Scheuklappen bearbeiten und alle direkt neben ihrem Fachgebiet liegenden Probleme und pathophysiologisch begründbaren Krankheitsentitäten ignorieren. Da gab es in den vergangenen Jahren schon einigen Dissens.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund


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