Kommentar

Risiken nur für Frauenherzen

Mit der Fokussierung auf klassische, sprich „männliche“ Risikofaktoren verpasst man die Gelegenheit, bei gefährdeten Frauen frühzeitig Maßnahmen zur kardiovaskulären Prävention einzuleiten.

Von Dr. Beate Schumacher Veröffentlicht: 25.11.2019, 14:26 Uhr

Dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor allem Männer oder allenfalls alte Frauen betreffen, ist eine immer noch verbreitete Vorstellung. Tatsächlich sterben in Deutschland mehr Frauen als Männer an Herzerkrankungen. In den USA sind Frauen zwischen 35 und 54 sogar die einzige Personengruppe, in der die kardiovaskuläre Mortalität noch ansteigt.

Diese Entwicklung lässt sich zum Teil mit einer Zunahme von klassischen Risikofaktoren wie Rauchen oder Übergewicht erklären. Zusätzlich können aber auch rein weibliche Risiken zur Entstehung kardiovaskulärer Erkrankungen beitragen.

Erheblichen Einfluss hat etwa der Zeitpunkt der natürlichen Menopause: Tritt sie vor dem 45. oder gar vor dem 40. Lebensjahr ein, ist einer neuen Metaanalyse zufolge das Risiko, schon vor dem 60. Lebensjahr einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, um 40 beziehungsweise 90 Prozent erhöht. Andere frauenspezifische Risikofaktoren, die in den üblichen Scores nicht erfasst werden, sind etwa polyzystisches Ovarsyndrom, Gestationsdiabetes oder Präeklampsie. Sie alle bieten die Möglichkeit, frühzeitig Maßnahmen zur kardiovaskulären Prävention einzuleiten. Mit der Fokussierung auf klassische, sprich „männliche“ Risikofaktoren verpasst man diese Gelegenheit. Seite 12

Schreiben Sie der Autorin: beate.schumacher@springer.com

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