Rheuma

Risiko für schwere Infektionen durch Biologicals überschätzt

AMSTERDAM (gvg). Eine Therapie mit TNF-α-Blockern erhöht das Risiko für schwere Infektionen offenbar weniger stark als bisweilen postuliert. Das geht aus der Auswertung von Daten des schwedischen Biological-Registers hervor.

Veröffentlicht: 26.09.2006, 08:00 Uhr

Schon in den Zulassungsstudien wurde für alle Blocker des Tumornekrosefaktors α ein leicht erhöhtes Infektionsrisiko beschrieben. Deswegen wird vor einer Therapie mit den Zytokin-Hemmern ein Tuberkulose-Test empfohlen.

In einigen Untersuchungen aus den vergangenen Monaten war von einer Verdopplung des Risikos für schwere Infektionen die Rede. Diese Zahlen können mit dem schwedischen Biological-Register aber nicht bestätigt werden. Die Daten aus Schweden wurden bei einem Rheuma-Kongreß in Amsterdam vorgestellt.

Im schwedischen Biological-Register sind inzwischen die Daten von mehr als 10 000 Patienten erfaßt, die eine Therapie mit Adalimumab (Humira®), Etanercept (Enbrel®) oder Infliximab (Remicade®) erhalten. Für die jetzt vorgelegte Sicherheitsuntersuchung wurden die Daten von 4160 Patienten ausgewertet. Berücksichtigt wurden alle Infektionen, die zu einer Klinik-Einweisung der Patienten führten. Die Zahlen wurden verglichen mit denen einer Patientenkohorte, die in Infektion und Schweregrad der Erkrankung gleich war, aber keine Biologicals erhalten hatten.

"Der Anstieg bei der Zahl der schweren Infektionen durch TNF-α-Blockade ist insgesamt niedriger als in letzter Zeit postuliert", so das Fazit von Dr. Lars Klareskog vom Karolinska-Institut in Stockholm. Pro 100 Behandlungsjahre treten den schwedischen Daten zufolge bei Patienten, die wegen einer Rheumatoiden Arthritis (RA) eine Anti-TNF-α-Therapie erhalten, 5,7 schwere Infektionen auf. Bei vergleichbaren Patienten mit konventioneller RA-Therapie sind es 5,3 Infektionen.

Adjustiert nach Alter und Geschlecht, ergeben die Zahlen ein um etwa 20 bis 40 Prozent erhöhtes Lebenszeitrisiko, wegen einer schweren Infektion ins Krankenhaus eingewiesen zu werden, so Klareskog. Diese Risikoerhöhung lasse sich nicht an spezifischen Infektionen, etwa Tuberkulose, festmachen. Sie betreffe das gesamte infektiologische Spektrum - also respiratorische, gastrointestinale, kutane, artikuläre und generalisierte Infektionen.

Weitere Informationen im Internet unter: www.rheumanet.org oder unter www.rheumatology.org

Mehr zum Thema

Rheumatoide Arthritis

Rheumatologe: Methotrexat ist „viel besser als sein Ruf“

Umfrage unter Rheumafachassistenten

RFA-Potenzial bleibt zu oft ungenutzt

Das könnte Sie auch interessieren
Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

Vitamin-C-Therapie

Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Vitamin C – ein Must-Have fürs Immunsystem

Immunmodulation

Vitamin C – ein Must-Have fürs Immunsystem

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Der für den Impfstoff genutzte Virus-Vektor: Er basiert auf einem abgeschwächten Schimpansen-Adenovirus, das nach der Impfung die Oberflächen-Spike-Proteine von SARS-CoV-2 präsentiert.

SARS-CoV-2-Impfstoff

Vektor-basierte Corona-Vakzine mit 70 Prozent Wirksamkeit

Einen neuen Blick auf die Infektionszahlen fordert eine Gruppe von Experten.

COVID-19

Experten wollen weg von 7-Tage-Inzidenz

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) besuchte am Montag das Werk des Impfstoffherstellers IDT Biologika in Dessau-Roßlau.

COVID-19-Pandemie

Spahn: Corona-Impfungen schon im Dezember denkbar