Sächsische Impfkommission

Sachsen empfehlen COVID-19-Impfung generell ab 12 Jahren

Nach wie vor gibt es – trotz politischen Drucks – keine bundesweite COVID-Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche. Jetzt prescht die Sächsische Impfkommission vor und empfehlt die Vakzine für alle ab 12 Jahren.

Von Denis NößlerDenis Nößler Veröffentlicht:
Kinder-Impfzentren bald auch in Deutschland? In der Schweiz gibt es sie schon, wie hier in Zürich.

Kinder-Impfzentren bald auch in Deutschland? In der Schweiz gibt es sie schon, wie hier in Zürich.

© GAETAN BALLY / KEYSTONE / picture alliance

Dresden. Anders als die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Sächsische Impfkommission (SIKO) ab sofort die COVID-19-Schutzimpfung generell für alle Bürger ab 12 Jahren. Der Nutzen überwiege „eindeutig das Risiko adverser Reaktionen“, teilte die SIKO am Freitag in Dresden mit.

Sachsen ist das einzige Bundesland mit einer eigenen Impfkommission. Sie war vor nahezu exakt 30 Jahren am 31. Juli 1991 gegründet worden. Die für die bundesweiten Impfempfehlungen maßgebliche STIKO empfiehlt nach wie vor die Impfung bei 12- bis 17-Jährigen nur bei Vorerkrankungen oder wenn Angehörige eine „hohe Gefährdung für einen schweren COVID-19-Verlauf“ haben.

„Der Einsatz von Comirnaty® bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren ohne Vorerkrankungen wird derzeit nicht allgemein empfohlen, ist aber nach ärztlicher Aufklärung und bei individuellem Wunsch und Risikoakzeptanz des Kindes oder Jugendlichen bzw. der Sorgeberechtigten möglich“, heißt es in der letzten Aktualisierung der STIKO-Empfehlung von Anfang Juli (Epid Bull 2021; 27: 14–31).

Druck aus der Politik auf die STIKO

Zum Zeitpunkt der Impfempfehlung war nur BioNTechs mRNA-Vakzine Comirnaty® für die Impfungen ab 12 Jahren zugelassen. Zuletzt war auch Modernas mRNA-Impfstoff Spikevax® für die Zulassung ab 12 Jahren empfohlen worden.

Aus der Politik kommen seit Wochen Forderungen, die STIKO möge ihre Haltung überdenken und die Impfung für Teenager generell empfehlen. Zuletzt hatten auch die Amtsärzte für eine Impfung für ab 12-Jährige plädiert. Die STIKO weist die Einmischungen und Vorwürfe bislang zurück.

Die SIKO hingegen verweist auf Daten aus den USA und Israel, wonach die Impfung bei 12- bis 15-Jährigen mehr schwere COVID-19-Fälle verhindere als im Gegenzug Nebenwirkungen auftreten. Das betrifft vor allem das Risiko für (reversible) Myokarditiden und Perikarditiden bei männlichen Teenagern und jungen Männern. Auch in der EU haben Comirnaty® und Spikevax® entsprechende Warnhinweise bekommen.

„Klares Überwiegen des Nutzens“

Bei den männlichen 12- bis 17-Jährigen zitiert die Sächsische Kommission eine Häufigkeit von „bis zu 70 pro 1.000.000 vollständig Geimpften“ für eine Peri- oder Myokarditis. Demgegenüber stünden allerdings zwei verhinderte Todesfälle durch COVID-19, 71 verhinderte Intensivbehandlungen, sowie 5700 verhinderte SARS-CoV-2-Infektionen.

Bei geimpften Mädchen und jungen Frauen in der Altersgruppe liegt die Peri-/Myokarditis-Inzidenz laut SIKO bei 10 zu 1.000.000. Allerdings werde in dieser Kohorte ein Todesfall durch COVID-19 verhindert, 38 Intensivbehandlungen sowie 8500 SARS-CoV-2-Infektionen.

Somit stelle sich „hier ein klares Überwiegen des Nutzens der Impfung dar“, so die Sächsische Kommission. „Diese Fakten sind wichtig für ein entsprechendes aufklärendes Gespräch mit Sorgeberechtigten und Impflingen.“

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