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Schmerzmittel und Zierpflanzen immer öfter Quelle für den Rausch

Menschen, die Drogen gebrauchen, greifen vermehrt auf legal erhältliche Stoffe zurück - seien es Tilidin-haltige Schmerzmittel, Hustenstiller oder Alkoholgetränke, die vernebelt werden.

Von Werner Stingl Veröffentlicht:
Rausch aus dem Vorgarten: Blätter und Blüten der Hortensie, geraucht oder als Tee getrunken, können eine berauschende Wirkung entfalten.

Rausch aus dem Vorgarten: Blätter und Blüten der Hortensie, geraucht oder als Tee getrunken, können eine berauschende Wirkung entfalten.

© antoro / fotolia.com

MÜNCHEN. Auf der Suche nach dem besonderen Kick ist die Drogenszene erfinderisch. Viele Substanzen sind einfach und legal erhältlich: etwa Tilidin-haltige Schmerzmittel, dextromethorphanhaltige Hustenstiller, vernebelter Alkohol sowie Hortensienblätter.

Tilidin in Überdosierung enthemmt, hebt die Stimmung, macht aggressiv, mutig - und abhängig. Wer sich die Substanz beschaffen will, die kombiniert mit Naloxon in vielen Schmerzmitteln enthalten ist, braucht zwar ein Rezept. Doch immer wieder gelingt es Menschen, die indikationsgerechte Schmerzsymptome glaubhaft schildern, sich eines zu beschaffen, berichtete Rauschmittelexperte Matthias Bastigkeit aus Geschendorf auf einem Seminar für Suchtmedizin in München.

Dabei ziehen Missbrauch-Patienten den Tilidin-Retardtabletten die rascher anflutenden Tropfen und Lösungen vor, weshalb der ausdrückliche Wunsch der Patienten nach flüssigen Zubereitungen die verschreibenden Ärzte stutzig machen sollte.

Oft werden für Tilidin, das nach Angaben von Bastigkeit besonders von arabischen und türkischen Jugendlichen konsumiert wird, in der Apotheke auch gefälschte oder gestohlene Rezepte vorgelegt. Suchtmediziner fordern daher seit langem, Tilidin-haltige Schmerzmittel dem Betäubungsmittelgesetz zu unterstellen, um den Erwerb zu erschweren.

Ganz ohne Rezept gibt es den Rausch inklusive Suchtgefahr auch aus Hustenstillern, die lediglich apothekenpflichtig sind. Ein Ziel der Begierde ist hier der Wirkstoff Dextromethorphan, der bereits in einer Dosis von 1,5 bis 2,5 mg/kg Körpergewicht leicht stimuliert, berichtete Bastigkeit. 2,5 bis 7,5 mg/kg erzeugen ähnlich wie Haschisch einen Rausch mit leichten Halluzinationen, um so mehr, je höher die Dosis ist.

Ab 15 mg/kg - vor allem wenn zusätzlich im Beipackzettel aufgeführte interagierende Pharmaka oder Grapefruitsaft als Wirkverstärker genutzt werden - kommt es zu ausgeprägter Sedierung bis hin zu lebensbedrohlicher Narkotisierung.

Ein neuer Trend ist AWOL: Alcohol without Liquid. In einigen In-Diskos stünden ganz legal Maschinen, mehrere tausend Euro teuer, die an der Bar gekaufte Harddrinks vernebeln, sodass Konsumenten sie - gemischt mit reinem Sauerstoff - via Einwegmundstück inhalieren können.

Der Alkohol flutet an und durchströmt rasch die Blut-Hirn-Schranke. Zuhause werden zunehmend medizinische Vernebler aus der Asthma- und COPD-Therapie für den AWOL-Rausch umfunktioniert, berichtete Bastigkeit auf der vom Unternehmen Essex unterstützten Veranstaltung.

Den meisten Zuhörern noch unbekannt war eine Rauschpflanze, die sich in der Szene - wie gemeldet - längst herum gesprochen hat: die Hortensie. Blätter und Blüten des Vorgartengewächses, geraucht oder als Tee getrunken, entfalten angeblich eine ähnliche Wirkung wie Marihuana, nur etwas schwächer.

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