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INTERVIEW

"Sieben Jahre bis zur Diagnose Bechterew"

Die Verdachtskriterien für M. Bechterew sind häufig nicht bekannt, bemängelt Ludwig Hammel aus Schweinfurt. Der Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew (DVMB) kritisierte im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung", dass Patienten oft zu spät zum Rheumatologen geschickt werden.

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Typisch für Morbus Bechterew sind chronische Rückenschmerzen bei ausgeprägter Morgensteifigkeit.

Typisch für Morbus Bechterew sind chronische Rückenschmerzen bei ausgeprägter Morgensteifigkeit.

© Foto: sebastian kaulitzkiwww.fotolia.de

Ärzte Zeitung: Was kritisieren sie an der derzeitigen Versorgung von Patienten mit Morbus Bechterew?

Ludwig Hammel: Es dauert durchschnittlich immer noch sieben Jahre, bis die Diagnose M. Bechterew gestellt wird. Das ist viel zu lang und nicht hinnehmbar.

Ärzte Zeitung: Woran liegt das?

Hammel: Das liegt an unserem Gesundheitssystem. Dadurch ist es nicht möglich, dass die Patienten früh genug dort hinkommen, wo sie hingehören - nämlich zum Rheumatologen.

Ärzte Zeitung: Was passiert stattdessen?

Hammel: Die Patienten werden zunächst vom Hausarzt behandelt und gelangen irgendwann zum Orthopäden. Denn internistische Rheumatologen sind in Deutschland Mangelware und völlig überlaufen.

Ärzte Zeitung: Wie kann die Lage geändert werden?

Hammel: Es gibt vier Kriterien, die auf einen M. Bechterew hinweisen: Erstens: Die Rückenschmerzen sind chronisch, bestehen also seit mehr als drei Monaten.

Zweitens: Es tut vor allem in den frühen Morgenstunden weh bei ausgeprägter Morgensteifigkeit.

Drittens: Die Schmerzen bessern sich bei Bewegung.

Und viertens: Der Patient ist jünger als 40 Jahre.

Sind diese Kriterien erfüllt, gehört der Patient zum Rheumatologen. Die DVMB bemüht sich aktiv, diese Diagnosekriterien bei Hausärzten und Orthopäden bekannt zu machen.

Ärzte Zeitung: Welche Forderungen stellt ihr Verband?

Hammel: Um die Effektivität der Therapie und der Reha-Maßnahmen zu verbessern, fordert die DVMB, spezialisierte Zentren für M. Bechterew einzurichten. Das wäre kostengünstig, effektiv und die Qualität würde steigen.

Ärzte Zeitung: Versagen in der Therapie die NSAR, stehen bei Bechterew-Patienten die TNF-Blocker an. Gibt es Probleme bei der Verordnung, weil die Biologicals sehr teuer sind?

Hammel: Mir ist im vergangenen Jahr nichts mehr zu Ohren gekommen, dass es da Probleme gibt.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.bechterew.de

Zur Person

Ludwig Hammel ist seit 20 Jahren Geschäftsführer der DVMB. Der 50-Jährige leidet selbst seit 30 Jahren an M. Bechterew.

Foto: privat

STICHWORT

Kriterien für frühen Morbus Bechterew

Verdacht auf frühen Morbus Bechterew besteht nach der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie bei:

  • tief sitzendem Rückenschmerz von mehr als drei Monaten Dauer
  • Beginn vor dem 45. Lebensjahr

Und zusätzlich bei einem der Punkte:

  • entzündlicher Rückenschmerz (Morgensteifigkeit über 30 Minuten oder Schmerzen in der Nacht/am Morgen oder Besserung bei Bewegung
  • positiver Test auf HLA-B27 (eb)
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