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Studie

Sind die Gene Schuld an Nahrungsmittelallergien?

Eine Studie hat fünf Genorte gefunden, die bei der Entstehung von Lebensmittelallergien eine Rolle spielen. Dabei fanden Forscher einen Zusammenhang zwischen Allergien und Genen, die die Schleimhäute bilden.

Veröffentlicht:

BERLIN. Welche Rolle spielen Gene für Allergien gegen Ei, Milch und Nüsse? Eine Studie unter Federführung des Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) und der Charité, Berlin, hat fünf Genorte gefunden, die auf die Bedeutung der Haut- und Schleimhautbarriere und des Immunsystems bei der Entstehung von Nahrungsmittelallergien hinweisen (Nature Communications 2017; online 20. Oktober).

In einer genomweiten Assoziationsstudie hat ein Team um Professor Young-Ae Lee, Wissenschaftlerin am MDC und Leiterin der Hochschulambulanz für Pädiatrische Allergologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin, rund 1500 Kinder mit Nahrungsmittelallergien aus Deutschland und den USA untersucht. Dabei haben die Wissenschaftler mehr als fünf Millionen erbliche Varianten (SNPs) bei jedem Studienteilnehmer untersucht und ihre Häufigkeit mit der in Kontrollpersonen verglichen.

Die Diagnose der Nahrungsmittelallergie wurde durch einen Provokationstest bestätigt. "Aus der Praxis wissen wir, dass bis zu 80 Prozent der vermuteten Nahrungsmittelallergien keine sind. Oft handelt es sich um Unverträglichkeiten und keine Allergien", wird Lee in der Mitteilung zitiert.

Fünf Genorte identifiziert

In dieser Studie wurden insgesamt fünf Genorte für Nahrungsmittelallergien gefunden, teilt das MDC mit. Vier von ihnen zeigen eine starke Übereinstimmung mit bekannten Genorten für Neurodermitis und Asthma, aber auch mit anderen chronisch entzündlichen Erkrankungen wie Morbus Crohn, Psoriasis sowie mit Autoimmunerkrankungen. Als spezifischer Genort für Nahrungsmittelallergien identifizierte das Team um Lee das SERPINB-Gencluster auf Chromosom 18.

Dabei handelt es sich um eine Gruppe von zehn Vertretern der Serinproteasehemmer. Die Gene dieser Gruppe werden vor allem in der Haut sowie in der Schleimhaut der Speiseröhre exprimiert, heißt es in der Mitteilung. Die Wissenschaftler vermuten daher, dass sie dort für die Intaktheit der epithelialen Barrierefunktion von Bedeutung sind.

Ein weiterer wichtiger Befund der Studie ist, dass vier von fünf identifizierten Genorten mit allen Nahrungsmittelallergien assoziiert sind. Lediglich der für die Erdnussallergie spezifische HLA-Genort scheint hier eine Ausnahme zu bilden.

Die Studie ist eine Ausgangsbasis für die Entwicklung besserer diagnostischer Tests für Nahrungsmittelallergien und für die weitere Erforschung ihrer ursächlichen Mechanismen und möglicher Therapien. Eltern sollten auf die unbegründete Vermeidung von Nahrungsmitteln verzichten und sich beim Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie an einen Spezialisten wenden, so das MDC. (eb)

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