Studiendaten

Singen gegen Lungenkrankheiten

Wer singen will, braucht ausreichend Luft. Britische Forscher haben jetzt in einem Review analysiert, wie sich ein Gesangstraining auf das Wohlbefinden und die Gesundheit von Menschen mit respiratorischen Krankheiten auswirkt.

Von Dr. Christine Starostzik Veröffentlicht:
Es muss nicht schön sein: Aber Gesangstraining wirkt sich dennoch auf das Wohlbefinden und die Gesundheit von Menschen mit respiratorischen Krankheiten positiv aus.

Es muss nicht schön sein: Aber Gesangstraining wirkt sich dennoch auf das Wohlbefinden und die Gesundheit von Menschen mit respiratorischen Krankheiten positiv aus.

© Mike Feraco / iStock / Thinkstoc

LONDON. Auch wenn das Geträller von Chören so manchen Zeitgenossen immer wieder aufs Neue nervt, die damit erzielbaren Effekte auf Körper und Seele sind nicht zu unterschätzen. Zu diesem Schluss kommen jetzt Wissenschaftler des Londoner Imperial College in einem systematischen Review von letztlich sechs Studien zur Wirkung von Gesangsunterricht in der Gruppe auf die Lungengesundheit.

Adam Lewis und Kollegen werteten Studien aus, in denen Parameter wie Gesundheitsstatus, Lungenfunktion und Lebensqualität von Gesangsschülern mit entsprechenden Daten von Personen unter Standardversorgung verglichen wurden (Primary Care Respiratory Medicine 2016; 26, 16080, online 1. Dezember).

"Singing for Lung Health"

Die Sänger nahmen an einer Initiative namens "Singing for Lung Health" (SLH) teil, die unter anderem von der British Lung Foundation unterstützt wird. Ziel ist es, Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen wie COPD oder Asthma zu mehr Luft zu verhelfen. Der regelmäßige Unterricht, in den Übungen zu Körperhaltung und Atemkontrolle einfließen, wird von einem erfahrenen Gesangslehrer geleitet. Gleichzeitig bietet sich reichlich Gelegenheit für soziale Kontakte.

Der Analyse zufolge scheint das Singen bei Menschen mit chronischen respiratorischen Erkrankungen die Lebensqualität zu verbessern. Besonders positive Auswirkungen ergaben sich auf die körperliche Gesundheit und das Angstniveau, wie die britischen Wissenschaftler berichten. Außerdem waren in einer Studie positive Auswirkungen auf einzelne Lungenfunktionsparameter beschrieben worden.

Keine Nebenwirkungen

Nebenwirkungen des Gesangs konnten nicht entdeckt werden. Allerdings leide die Aussagekraft vieler Studien unter den häufig sehr geringen Probandenzahlen. Zum Teil fehle die Kontrollgruppe und auch Vergleichsmöglichkeiten zwischen den Untersuchungen seien wegen unterschiedlicher Studiendesigns nur schwer möglich.

Dennoch scheinen qualitative Daten darauf hinzuweisen, dass insbesondere COPD-Patienten von den Gesangsstunden profitieren. Diese berichteten nämlich durchweg darüber, dass ihnen der Unterricht helfe, mit ihrer Erkrankung besser zurechtzukommen.

Qualitative Studiendaten liefern eindringliche Hinweise auf einen potenziellen gesundheitlichen, psychischen und sozialen Nutzen von "Singing for Lung Health" für Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen, so das Resümee von Lewis und Kollegen. Die Ergebnisse kleiner, randomisierter Studien legten nahe, dass sich die Lebensqualität damit verbessere. Allerdings fehlten bislang Beweise für funktionale und gesundheitsökonomische Vorteile der Methode.

Wichtig sei es, so die Reviewer, dass Ausbildung und Konzepte der Gesangslehrer standardisiert würden und eine Erfolgskontrolle durch geeignete Tests sowie eine einheitliche Dokumentation erfolgten.

Bevor Patienten mit respiratorischen Krankheiten SLH routinemäßig angeboten werden könne, sei es zudem notwendig, die Wirkung der Singtherapie in aussagekräftigen Langzeitstudien zu untersuchen.

Mehr zum Thema

Erfahrungen in Schulen

Dank Luftfilter weniger allergische Symptome

US-Empfehlung

Asymptomatische Erwachsene nicht auf COPD screenen

Das könnte Sie auch interessieren
Probeentnahme für einen Corona-Test: In den USA sind im ersten Jahr der Coronaimpfung knapp 14 Prozent der komplett geimpften Krebskranken an COVID erkrankt, aber nur 5 Prozent der geimpften Patienten ohne Krebs. (Symbolbild mit Fotomodellen)

© Pekic / Getty Images / iStock

Viele Durchbruchsinfektionen

COVID-19 bleibt auch für geimpfte Krebspatienten gefährlich

Kommentare
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentare lesen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Extreme Fatigue: ein typisches Symptom von Long-COVID-Patienten.

© pitipat / stock.adobe.com

Analyse von Versichertendaten

Nur jeder Vierte mit Long-COVID war schwer an COVID-19 erkrankt