THERAPIE-STANDARD

Statt Skalpell: Jodid plus Levothyroxin bei Struma

Strumen können oft medikamentös verkleinert werden. Jodid und Levothyroxin im Verhältnis 2 zu 1 - das ist die Faustregel bei Jugendlichen und Erwachsenen. Diese Therapie hat große Vorteile. Sie reduziert die beiden wichtigsten Wachstumsstimulanzien auf das Schilddrüsengewebe: die TSH-Konzentration im Serum und den Jodmangel im Schilddrüsengewebe.

Veröffentlicht: 23.04.2007, 08:00 Uhr

Mit der Kombinationstherapie im Verhältnis 2 zu 1, zum Beispiel 150 µg Jodid und 75 µg Levothyroxin (als Fixkombi Thyronajod 75 Henning) wird der TSH-Wert im niedrig-normalen Bereich eingestellt, also zwischen 0,3 und 1,2 mU/l. Empfohlen wird eine Therapiedauer von sechs bis zwölf Monaten. Anschließend ist eine Struma-Prophylaxe sinnvoll. Dann genügt in der Regel eine Jodid-Monotherapie, etwa mit 100 bis 150 µg Jodid täglich. Mit einem solchen Konzept können Strumen verkleinert, kann Rezidiven vorgebeugt und können Operationen vermieden werden.

Inzwischen weiß man, dass bei bis zu zwei Dritteln der Strumapatienten die medikamentöse Therapie noch weiter verbessert werden kann. Das ergab die dritte Erhebung der bundesweiten Schilddrüseninitiative Papillon. An Papillon 3 nahmen mehr als 3000 niedergelassene Ärzte und mehr als 30 000 Patienten teil.

Ziel ist der niedrig-normale TSH-Bereich von 0,3 bis 1,2 mU/l

40 Prozent der Patienten hatten TSH-Werte im empfohlenen niedrig-normalen Bereich zwischen 0,3 und 1,2 mU/l. Der Vorteil: Bei solchen Werten ist der Stimulationsreiz von TSH auf die Schilddrüse herabgesetzt bei gleichzeitiger Euthyreose.

Weitere 36 Prozent hatten TSH-Werte zwischen über 1,2 bis 4 mU/l. Mehr als 20 Prozent hatten TSH-Werte unter 0,3 mU/l oder über 4 mU/l.

Was bei Papillon 3 noch auffiel: Nur 28 Prozent der Patienten erhielten die empfohlene Therapie mit Jodid plus Levothyroxin (Med Welt 57, 2006, 224). Eine Thyroxin-Monotherapie zur Strumareduktion ist aber obsolet. Denn damit wird der Jodmangel in der Schilddrüse nicht beseitigt. Jodmangel stimuliert aber über intrathyroidale Wachstumshormone das Schilddrüsenwachstum.

Bei Kindern mit diffuser Struma kann eine Jodid-Monotherapie versucht werden.

Wird TSH-Ziel nicht erreicht, lohnt Suche nach Magenkeim

Erreicht man, trotz guter Compliance, mit üblichen Levothyroxin-Dosierungen die angestrebten TSH-Werte nicht, lohnt sich eine Magendiagnostik. Denn offenbar ist bei Gastritis oder Helicobacter- pylori (Hp)-Infektionen die Thyroxin-Resorption gestört. Das stellten Kollegen aus Rom bei knapp 260 Patienten mit euthyreoter Knoten-Struma fest (NEJM 354, 2006, 1787).

Patienten ohne Magenprobleme benötigten im Median 100 µg Levothyroxin täglich, um den TSH-Zielwert zu erreichen (in der Studie zwischen 0,05 bis 0,2 mU / l). Im Median 125 µg waren nötig bei einer Hp-bedingten nicht atrophischen oder einer atrophische Gastritis ohne Hp. Bei atrophischer Gastritis plus Hp-Infektion waren im Median sogar 150 µg Levothyroxin nötig. (gwa)



Gesucht: die beste Therapie bei Knoten

Bei euthyreoter Struma ist die Therapie klar: Jodid plus Levothyroxin, am besten im Verhältnis 2 zu 1. Doch welche medikamentöse Therapie ist die optimale, um Schilddrüsenknoten zu verkleinern?

Diese Frage wird derzeit in der vierarmigen Studie LISA geklärt. Das Akronym steht für "Levothyroxin und Iodid in der Strumatherapie Als Mono- oder Kombinationstherapie". An der Studie nehmen 1 000 Patienten teil, die mindestens einen Knoten mit einem Durchmesser über 10 mm haben. Die Patienten erhalten entweder eine

  • Kombinationstherapie mit 150 µg Jodid plus 75 µg Levothyroxin (Thyronajod 75 Henning) oder
  • eine Monotherapie mit 150 µg Jodid (Jodetten 150 Henning) oder
  • 75 µg Levothyroxin (L-Thyroxin Henning 75) oder
  • Placebo.

Hauptkriterium ist das gesamte Knotenvolumen nach 1 Jahr. (gwa) 

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