Kommentar zu depressiven Ärzten

Teufelskreis mit System

Depressive Ärzte machen mehr Fehler. Umgekehrt werden Ärzte, die Fehler begehen, häufiger depressiv. Ein Circulus vitiosus.

Von Robert Bublak Veröffentlicht: 27.12.2019, 13:24 Uhr

Wer depressiv ist, neigt zu Fehlern. Und wer Fehler macht, läuft Gefahr, eine Depression zu entwickeln. Laut Resultaten einer Studie sind Ärztinnen und Ärzte erheblich gefährdet, auf dieser Abwärtsspirale in die Tiefe zu taumeln.

Demnach kommen medizinische Fehler bei depressiven Ärzten doppelt so oft vor wie bei nicht depressiven. Tatsächlich dreht sich hier ein Teufelskreis: Depressionen erhöhen das Risiko für Fehler um 60 Prozent, Fehler steigern das Depressionsrisiko um 70 Prozent. All das ist kein Randphänomen. In Umfragen gibt jeder vierte Arzt an, unter Depressionen zu leiden. Man darf annehmen, dass sich hinter einem nicht geringen Teil dieser Diagnosen ein Burnout verbirgt. Das sehen auch die betroffenen Ärzte so: Drei von vieren geben an, über einen Burnout in die Depression gerutscht zu sein.

Dass ausgebrannte Ärzte mehr Fehler machen, haben auch frühere Studien schon gezeigt. Es wurden sogar Wege aufgezeigt, wie der fatale Zirkel durchbrochen werden kann – etwa indem man Ärzten mehr Kontrolle über ihre Aufgaben zugesteht. Doch in der ärztlichen Realität dominieren Bürokratie und Fremdsteuerung – mit Depressionen von Ärzten und medizinischen Fehlern als Folgen. Der Keim der Krankheit aber steckt im System.

Schreiben Sie dem Autor: robert.bublak@springer.com

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