Randomisierte Studien

Thromboseprophylaxe bei Kniearthroskopie und Gips nutzlos?

Nach Kniearthroskopie sowie mit Unterschenkelgips besteht ein erhöhtes Risiko für venöse Thromboembolien. Die Patienten alle mit einem niedermolekularen Heparin zu versehen, scheint aber keine gute Idee zu sein.

Von Beate Schumacher Veröffentlicht:

LEIDEN. Mit den Studien POT-KAST und POT-CAST sollte eigentlich belegt werden, dass Patienten mit Kniearthroskopie oder Unterschenkelgips von einer Thromboseprophylaxe profitieren. Die beiden randomisierten Studien brachten allerdings nicht die erwarteten Ergebnisse (NEJM 2016; online 3. Dezember).

In keiner der beiden Indikationen führte die Antikoagulation zu einem Rückgang von symptomatischen venösen Thromboembolien (VTE). "Die routinemäßige Thromboseprophylaxe mit einem Standardregime nach Kniearthroskopie oder Gipsimmobilisierung des Unterschenkels ist nicht wirksam", konstatieren die Studienautoren um Raymond van Adrichem von der Universität Leiden.

Weder nach Arthroskopie weniger VTE ...

An der Studie POT-KAST beteiligten sich 1451 Patienten (mittleres Alter 48 Jahre, meist ohne andere Erkrankungen), bei denen eine Arthroskopie am Knie vorgenommen wurde, meistens zur Meniskektomie. 731 wurden einer anschließenden achttägigen Prophylaxe mit einem niedermolekularen Heparin (KG <100 kg: 2500 U Dalteparin oder 2850 U Nadreparin) zugeteilt, die anderen 720 der Kontrollgruppe ohne Antithrombotikum.

Innerhalb von drei Monaten kam es bei fünf Patienten mit und drei Patienten ohne Heparin zu einer symptomatischen tiefen Venenthrombose oder Lungenembolie. Mit 0,7 Prozent versus 0,4 Prozent waren die Ereignisraten nicht signifikant verschieden.

Eine Beschränkung der Analyse auf diejenigen Patienten, die die vorgegebene Behandlung tatsächlich befolgt hatten (Per-Protocol-Analyse), führte zum selben Ergebnis. Größere Blutungen traten bei jeweils 0,1 Prozent der Patienten auf. Todesfälle gab es keine.

... noch mit Gips weniger VTE

Die 1435 Teilnehmer von POT-CAST mit Unterschenkelgips hatten überwiegend Frakturen von Metatarsalknochen oder Sprunggelenk erlitten. Von ihnen wurden 719 der Prophylaxe- und 716 der Kontrollgruppe zugelost. Die Prophylaxe mit einem niedermolekularen Heparin erstreckte sich über die gesamte Dauer der Gipsimmobilisierung.

Darunter erlitten 1,4 Prozent der Patienten eine symptomatische VTE, in der Kontrollgruppe waren es 1,8 Prozent. Auch dieser Unterschied war nicht signifikant, ebenso wenig das Ergebnis der Per-Protocol-Analyse. Schwere Blutungen traten nicht auf.

Widerspruch zu früheren Daten

Die unerwarteten Ergebnisse der beiden Studien stehen im Widerspruch zu früher veröffentlichten Daten.

Für die Gipsimmobilisierung sind dies allerdings kleine Studien mit erheblichen methodischen Schwächen, wie van Adrichem und Kollegen berichten. Für die Kniearthroskopie gibt es immerhin eine Metaanalyse von vier kleineren Studien, in denen ebenfalls symptomatische VTE untersucht wurden.

Eine Frage der Dosis?

Der fehlende Nutzen in POT-KAST könnte den Studienautoren zufolge damit zusammenhängen, dass die VTE-Rate in der Kontrollgruppe niedriger als veranschlagt war. Alternativ könne es an einer zu geringen Dosis oder zu kurzen Dauer der Antikoagulation gelegen haben. Die VTE in POT-KAST waren alle, die in POT-CAST mehrheitlich nach Abschluss der Heparinisierung aufgetreten.

Zumindest Hochrisikopatienten mit weiteren Risikofaktoren für eine VTE, so die Spekulation der Studienautoren, könnten von einer längeren oder höher dosierten Antikoagulation profitieren. Risikoabschätzung und maßgeschneiderte Prophylaxestrategien sollten in weiteren Studien untersucht werden.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Nutzen-Risiko-Vergleich

Antikoagulation nach VTE: Länger könnte besser sein

Ausgewählte Best-of-Abstracts

Melanome – ein Risikoscore für die Immuntherapie

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe

Röntgen-Thorax führte zur Diagnose

Kasuistik: Negativer D-Dimer-Test trotz akuter Lungenembolie

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

New Orleans

Herzkongress ACC 2026: Das sind die wichtigen neuen Studien

Lesetipps
Eine sehr einfache Illustration eines Darms mit verschiedenen Kapseln drin.

© Dragon Claws / stock.adobe.com

Insbesondere Clindamycin, Fluorchinolone und Flucloxacillin

Antibiotika wirken sich offenbar langfristig auf das Darmmikrobiom aus