Hepatitis

Versorgung in Europa könnte besser sein

Bei Hepatitis gibt es in der Versorgung, Prävention und Therapie in Europa vielerorts Nachholbedarf.

Philipp Grätzel von GrätzVon Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:

BERLIN. Die Europäische Liver Patient Association (ELPA) hat die erste große, europaweite Studie zur Hepatitis-Versorgung und Hepatitis-Prävention vorgestellt. In vielen Ländern gibt es gravierende Lücken. Deutschland schneidet recht gut ab.

Zumindest bei der Hepatitis C sei Dank neuer Therapien eine Reduktion der Inzidenz auf null prinzipiell möglich, sagte der Vorsitzende der Europäischen Leber-Fachgesellschaft EASL, Professor Massimo Colombo von der Universität Mailand. Dies erfordere aber effektive Screening-Programme, eine konsequente Therapie und eine gute Zusammenarbeit der an der Versorgung von Hepatitis-Patienten beteiligten Akteure.

Wie sieht es damit in Europa aus? Das hat die Hep-CORE-Studie evaluiert, eine Erhebung bei Patientenorganisationen und Leberexperten in 25 europäischen Staaten plus Israel und Ägypten. In der Gesamtschau seien die Ergebnisse ernüchternd, sagte Studienleiter Professor Jeffrey Lazarus vom Barcelona Institute of Global Health bei einer Veranstaltung, zu der die ELPA eingeladen hatte.

So gebe es in der Mehrheit der untersuchten Länder keine nationalen Register für Hepatitis B oder Hepatitis C. In jedem dritten Land sei der Zugang zu Hepatitis-Tests auf Krankenhäuser beschränkt, was es insbesondere bei Hochrisikogruppen schwierig mache, die Diagnose einer viralen Hepatitis überhaupt erst zu stellen.

Auch in Sachen Prävention gebe es vielerorts Nachholbedarf, so Lazarus. So existierten Programme für saubere Spritzen und Nadeln für intravenös Drogenabhängige zwar in 22 von 27 Ländern. Oft beschränkten sich diese aber auf bestimmte Gebiete oder Regionen, sodass viele aus der Hochrisikogruppe der Drogenkonsumenten davon nicht profitierten. Extra ausgewiesene Räume für den Drogenkonsum gebe es nur in fünf von 27 Ländern.

Seitens der Therapie gibt es ebenfalls deutliche Lücken. In insgesamt vier Ländern, darunter Finnland, seien direkte antivirale HCV-Medikamente derzeit gar nicht erhältlich, so Lazarus. In allen anderen Ländern gebe es teils deutliche Restriktion. So koppelten 19 Länder die Therapie an den Fibrosegrad, in 14 Ländern gibt es Restriktionen für Drogenabhängige und in acht Ländern für Alkoholabhängige.

Deutschland schneidet bei der Hep-CORE-Studie recht gut ab. HCV-Medikamente sind frei erhältlich, und sie können auch von Allgemeinärzten verordnet werden. Letzteres gibt es sonst nur noch in Bulgarien. Anders als in Frankreich, wo es keinerlei Restriktionen für die Therapie gebe, haben in Deutschland drogen- und alkoholabhängige Menschen aber Probleme, eine adäquate Therapie zu bekommen, solange sie nicht abstinent oder substituiert werden, so der Hep-CORE-Bericht.

Hepatitis-Therapie in Europa

In vier Ländern sind direkte antivirale HCV-Medikamente derzeit nicht erhältlich.

19 Länder koppeln die Therapie an den Fibrosegrad.

In 14 Ländern gibt es Restriktionen für Drogenabhängige.

In acht Ländern gibt es Restriktionen für Alkoholabhängige.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Erkenntnisse aus Studie fehlen noch

Bei Resmetirom sieht G-BA vorerst keinen Zusatznutzen

Gemeinsamer Bundesausschuss

Zusatznutzen für mehrere Orphan Drugs

Das könnte Sie auch interessieren
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 1: FIB-4 1,3: numerische 26%ige Risikoreduktion der 3-Punkt-MACE durch Semaglutid 2,4mg

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [17]

Kardiovaskuläre, renale und hepatische Komorbiditäten

Therapie der Adipositas – mehr als Gewichtsabnahme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma GmbH, Mainz
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

New Orleans

Herzkongress ACC 2026: Das sind die wichtigen neuen Studien

Lesetipps
Eine sehr einfache Illustration eines Darms mit verschiedenen Kapseln drin.

© Dragon Claws / stock.adobe.com

Insbesondere Clindamycin, Fluorchinolone und Flucloxacillin

Antibiotika wirken sich offenbar langfristig auf das Darmmikrobiom aus