Direkt zum Inhaltsbereich

Verstärktes Interesse an Vaskulitis-Therapien

Bei Antikörper-assoziierten Vaskulitiden werden derzeit neue Optionen geprüft, die in das Autoimmungeschehen eingreifen.

Von Beate Grübler Veröffentlicht:
Intakte Gefäße. Bei Patienten mit ANCA-Vaskulitis wandern Neutrophile in das Endothel.

Intakte Gefäße. Bei Patienten mit ANCA-Vaskulitis wandern Neutrophile in das Endothel.

© Foto: Sebastian Kaulitzki www.fotolia.de

MAILAND. Die häufigste Vaskulitis mit Antikörpern gegen neutrophile Granulozyten (Anti-neutrophil cyctoplasmatic antibodies, ANCA) ist die Wegenersche Granulomatose. Sie beginnt meist als Entzündung in den oberen Atemwegen. Im Verlauf der Erkrankung sind auch die Nieren betroffen. Standardtherapie ist die Applikation von Cyclophosphamid über einen Zeitraum bis zu einem Jahr. Bei refraktären Verläufen erfolgt eine Plasmapherese oder eine Entfernung der B-Lymphozyten (B-Zell-Depletion) mit dem monoklonalen Antikörper Rituximab. Der Antikörper bindet an das Oberflächen-Antigen CD20 auf diesen Zellen.

Wie Dr. Vladimir Tesar von der Universität Lund in Schweden bei einem Nephrologie-Kongress in Mailand berichtete, wird derzeit das Immunsuppressivum Mycophenolat mofetil (MMF) als alternative Therapieoption geprüft. Mit MMF werden nach Angaben des Nephrologen höhere Remissionsraten erzielt als bei einer Therapie mit Cyclophosphamid. Unklar sei aber noch, ob das Medikament in der Langzeittherapie auch die Dauer der Remission verlängern kann.

Als weitere Therapiemöglichkeit besonders für Patienten mit refraktären Verläufen und mit Rezidiven, wird Deoxyspergualin untersucht, ein derzeit nur in Japan für Patienten nach einer Nierentransplantation zugelassenes Immunsuppressivum. Der aus Bakterien gewonnene Wirkstoff hemmt die Reifung von T- und B-Lymphozyten und soll dadurch die Autoimmunreaktionen unterdrücken. In einer ersten Studie war die Hälfte der mit dieser Substanz behandelten Patienten für mindestens ein Jahr progressionsfrei, der Kortison-Bedarf rückläufig.

Weitere Kandidaten, die in den Pathomechanismus der ANCA-Vaskulitis eingreifen und damit als Behandlungsmöglichkeiten infrage kommen, sind die gegen das Zytokin TNFa gerichteten Wirkstoffe Infliximab und Etanercept sowie der Anti-CD52-Antikörper Alemtuzumab, die alle bei anderen Autoimmunkrankheiten bereits erfolgreich genutzt werden. Sie sollten nach Angaben von Tesar auch bei Patienten mit ANCA-Vaskulitiden weiter geprüft werden. Es ist allerdings schwierig, genug Patienten für kontrollierte Studien zu bekommen.

Die Wegenersche Granulomatose hat eine Inzidenz von 0,5 bis 0,8 auf 100 000 Einwohner pro Jahr. Das ebenfalls zu dieser Gruppe von Vaskulitiden zählende Churg-Strauss-Syndrom sowie die mikroskopische Polyangiitis sind noch seltener.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Sonderbericht

Vom Warnsignal zur RNAi-Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München

Häufige Komorbidität

Woher kommt die Fettleber bei Hidradenitis suppurativa?

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Logo Digiteneers - Vertidisan

© Digitineers

Digitineers

Bei Schwindel – Vertidisan®: Die Therapie-App

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Logo Cardisio

© Doctolib

Doctolib

Mehr Service: KI-Assistenz rund um die Privatbehandlung

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Vom Warnsignal zur RNAi-Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München
HFpEF: Diagnostik, Therapie und Monitoring für die tägliche Praxis

© Rasi / stock.adobe.com

Chronische Herzinsuffizienz

HFpEF: Diagnostik, Therapie und Monitoring für die tägliche Praxis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

© APOGEPHA Arzneimittel GmbH | Generated by AI

Überaktive Blase

Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APOGEPHA Arzneimittel GmbH, Dresden
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Besser als Atemtherapie?

Supragastrisches Aufstoßen lässt sich mit Gesang vertreiben

Lesetipps
Koloskopie, Blick auf den Monitor

© Issara - stock.adobe.com

Anstoß zur Diskussion

Darmkrebs: Ist die koloskopische Überwachung falsch aufgestellt?

Ein Arzt zählt mit den Fingern bis Drei.

© Arnéll Koegelenberg/peopleimages.com/stock.adobe.com

Regionaler Multimorbiditäts-Vergleich

Wo es relativ viele Ü-50-Jährige mit drei oder mehr chronischen Erkrankungen gibt