Impfen

Vierfachimpfstoff mit Schutz gegen Windpocken

MÜNCHEN (eis). Mit einem neuen Vierfachimpfstoff gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen (MMRV) lassen sich die KinderimpfEmpfehlungen komfortabler als bisher umsetzen. Die Vakzine ist in Deutschland jetzt zugelassen worden und soll Anfang August verfügbar sein, teilt das Unternehmen GlaxoSmithKline (GSK) mit.

Veröffentlicht: 28.07.2006, 08:00 Uhr

Der Impfstoff Priorix-Tetra® basiert auf den GSK-Impfstoffen gegen MMR und Varizellen, die beide schon viele Jahre in Deutschland auf dem Markt sind.

In der neuen Kombivakzine hat sich jede der vier Komponenten als ähnlich wirksam wie in den beiden Vorgängerimpfstoffen erwiesen, hat Professor Peter Schuster von der Universitätskinderklinik Leipzig berichtet. Belege dafür gibt es aus klinischen Studien mit weltweit mehr als 8800 Kindern.

In Deutschland hat Schuster eine kontrollierte Studie mit 970 Kindern im Alter von elf bis 22 Monaten geleitet. 732 der Kinder wurden zweimal im Abstand von sechs Wochen mit der neuen Kombivakzine geimpft, 238 Kinder erhielten entsprechend des Impfkalenders im gleichen Abstand zweimal herkömmlichen MMR-Impfstoff sowie separat eine Dosis Varizellen-Monoimpfstoff.

Ergebnis: Mit zwei Impfdosen der neuen Vakzine gab es nach Angaben von Schuster bei über 98 Prozent der Kinder eine Serokonversion. Das heißt, gegen alle vier Erreger waren Antikörper gebildet worden. Unterschiede bei den Serokonversionsraten der beiden Impfschemata gab es nicht.

"Die neue Vierfach-Vakzine hat sich zudem als gut verträglich erwiesen", sagte Schuster bei der Einführungspressekonferenz von GSK in München.

Im Vergleich zu den Vorgängerimpfstoffen traten zwar mit der neuen Vakzine in den 15 Tage nach der Impfung etwas öfter Fieber unter 39° C auf, höheres Fieber war aber nicht häufiger. Positiver Zusatzeffekt: Durch die zweite MMRV-Impfung kam es zu einem im Mittel über 20fachen Anstieg des Varizellen-Antikörpertiters.

Bisher wird im Impfkalender nur eine Dosis des Varizellen-Monoimpfstoffs empfohlen. Wegen Impfdurchbrüchen wird aber in den USA bereits zu einer zweiten Dosis geraten.



Zur Impfung reichen wenige Antigene

Eltern haben oft Vorbehalte gegen Kombivakzinen, weil gleichzeitig gegen mehrere Krankheiten ge-impft wird. Das Immunsystem der Kinder werde überfordert, so das Argument. Dem hält Professor Rüdiger von Kries aus München entgegen, daß in modernen Impfstoffen nur wenige hochgereinigte Antigene nötig sind, um den Schutz gegen die Krankheiten aufzubauen. Neue Kombivakzinen enthalten oft viel weniger Antigene als frühere Einzelimpfstoffen. So wurde 1980 gegen sieben Krankheiten geimpft (Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Polio, MMR) mit 3041 Antigenen in den damaligen Vakzinen. Heute werden Kinder gegen vier weitere Krankheiten geimpft (Varizellen, Hib, Hepatitis B, Pneumokokken). Die Impfstoffe enthalten nur noch 123 bis 126 immunogene Proteine und Polysaccharide. (eis)

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