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Drohen ansteckendere Varianten?

WHO warnt: Affenpocken sind weiterhin gefährlich

Die Weltgesundheitsorganisation hat wegen der Affenpocken-Ausbrüche in zahlreichen Ländern eine internationale Notlage ausgerufen. Jetzt sind die Mpox-Fälle um 90 Prozent zurückgegangen – Entwarnung gibt es von der WHO aber nicht.

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Affenpocken-Virus: Wo das Virus unkontrolliert zirkuliert, kann es mutieren und deutlich ansteckendere Varianten hervorbringen.

Affenpocken-Virus: Wo das Virus unkontrolliert zirkuliert, kann es mutieren und deutlich ansteckendere Varianten hervorbringen.

© peterschreiber.media - stock.adobe.com

Genf/Berlin. Affenpocken (Mpox) – das war im Mai 2022 mitten in der Corona-Pandemie eine Hiobsbotschaft, die weltweit Angst auslöste. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf zündete mit der Erklärung eines internationalen Gesundheitsnotstands im Juli die höchste Alarmstufe.

Inzwischen sind die schlimmsten Befürchtungen vom Tisch, die Fallzahlen sind drastisch gesunken. Die WHO fürchtet nun eine fatale Gelassenheit: neue Ausbrüche seien jederzeit möglich, warnt die WHO-Affenpockenexpertin Rosamund Lewis. „Wir könnten in drei Jahren eine Virusvariante haben, die deutlich weniger gut einzudämmen ist – das ist ein echtes Risiko“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.

Bis Anfang Januar 2023 registrierte die WHO weltweit knapp 84.000 bestätigte Fälle, darunter 75 Todesfälle, wobei Lewis sicher ist, dass ein Vielfaches davon ungemeldet blieb. Die Zahl der wöchentlich gemeldeten Neuinfektionen ist seit Juli um gut 90 Prozent gesunken.

Bisher rund 3677 Betroffene in Deutschland

Auch in Deutschland hat sich die Situation nach einer Hochphase im Sommer mit teils mehr als 400 bestätigten gemeldeten Erkrankungen pro Woche deutlich beruhigt. Seit Mitte Oktober wurden wöchentlich nur noch einstellige Fallzahlen an das Robert Koch-Institut (RKI) gemeldet (siehe nachfolgende Grafik).

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Für den gesamten Ausbruch spricht das RKI von rund 3677 Betroffenen hierzulande (Stand: 3. Januar 2023). Ein Hotspot war Berlin. 2022 infizierten sich vor allem Männer, die häufigen Sexualkontakt mit verschiedenen Partnern haben. Die meisten Betroffenen sind zwischen 30 und 44 Jahre alt (siehe nachfolgende Grafik).

„Die Herausforderung wird sein, dass Länder die Überwachung und die Laborkapazitäten aufrechterhalten, obwohl es so aussieht, als sei das Problem vom Tisch“, sagt Lewis. Es sei zwar bekannt, wie neue Ausbrüche gestoppt werden können: Durch Isolation der Infizierten, Beobachtung ihrer Kontakte und Impfungen. Das funktioniere aber nur, wenn Fälle früh erkannt werden, weltweit.

Die WHO-Europaregion hat sich zwar zum Ziel gesetzt, die von Menschen übertragenen Affenpocken auszurotten – die Ständige Impfkommission (STIKO) in Berlin bezweifelt aber, dass das außerhalb von Afrika noch möglich ist.

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Plädoyer für Impfen und frühe Diagnose

Lewis fordert deshalb: „An der klinischen Front muss das Bewusstsein für mögliche Affenpockenfälle erhöht werden.“ Bei Menschen mit Fieber und Ausschlag müssten neben Masern, Windpocken, Krätze, Syphilis oder Herpes immer auch Affenpocken in Betracht gezogen werden. Kliniken, die auf HIV und sexuell übertragbare Krankheiten spezialisiert sind, sollten routinemäßig auf Affenpocken testen.

Es gibt drei Impfstoffe, die das Risiko einer Ansteckung um mindestens 78 Prozent reduzieren, so Lewis. Die STIKO appelliert an gefährdete Gruppen, nach der ersten Impfdosis auch die für einen langfristigen Schutz nötige Zweitimpfung wahrzunehmen.

Nach anfänglichem Mangel gebe es inzwischen ausreichend Impfstoff. Informationen zur Impfung gegen Mpox/Affenpocken, darunter die Impfempfehlung der STIKO und Impf-FAQ, sind unter www.rki.de/affenpocken-impfung zu finden.

Viele Fälle bleiben unbekannt

Das große Problem: Das stimmt zwar für Deutschland und andere reichere Länder, nicht aber für den Rest der Welt. Die große Ungleichheit alarmiert die WHO. Die Krankheit sei zwar in Europa, Nordamerika und mit Abstrichen Südamerika weitgehend unter Kontrolle, nicht aber in Afrika, sagt Lewis.

Weil die Krankheit bislang nur mit einem PCR-Test nachgewiesen werden kann, der dort vielerorts nicht zur Verfügung steht, blieben dort viele Fälle unerkannt.

Besonders betroffen sind nach Angaben der Afrikanischen Union Nigeria, die Demokratische Republik Kongo und Ghana. Wo das Virus unkontrolliert zirkuliert, kann es mutieren und deutlich ansteckendere Varianten hervorbringen.

Deshalb fordert Lewis mehr Investitionen: um den Ursprung des Virus in der Tierwelt Afrikas zu finden, um die Übertragungswege auf den Menschen zu erforschen und um Schnelltests und mehr Impfstoffe zu entwickeln. „Wir brauchen effektive Impfstoffe zu einem guten Preis, die überall zur Verfügung stehen“, sagt Lewis. „Wir müssen uns fragen: wollen wir das jetzt ein für alle Mal unter Kontrolle bringen oder wollen wir uns Jahrzehnte damit herumschlagen?“ (dpa/ikr)

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