Schilddrüsenhormon-Substitution
Was bei gestörter L-Thyroxin-Resorption zu klären ist
Geraten TSH-Werte nach Jahren guter Einstellung plötzlich durcheinander, sollte nach veränderten Einnahmegewohnheiten oder neuen Medikamenten gefragt werden. Auch eine gastrointestinale Resorptionsstörung kann dahinterstecken.
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Zöliakie mit typischer Abflachung der Dünndarmschleimhaut. Bei Betroffenen ist die Resorption von zum Beispiel L-Thyroxin deutlich eingeschränkt.
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Leipzig. Für L-Thyroxin (LT4) gilt ja, dass die Einnahme morgens auf nüchternen Magen etwa eine Stunde vor dem Frühstück erfolgen sollte. Dies soll eine optimale Resorption gewährleisten. Empfohlen wird das unter anderem in der Guideline der Europäischen Schilddrüsengesellschaft (ETA).
„Das ist oft organisatorisch sehr sportlich und für Viele kaum umsetzbar“, sagte Privatdozent Dr. Stefan Karger, Gesundheit im Centrum, Praxis für Endokrinologie, Leipzig. Zumal ja oft auch auf weitere Medikamente geachtet werden müsse, die die L-Thyroxin-Resorption stören, gab der Endokrinologe bei einer Online-Fortbildung für Ärzte zu bedenken. Bei der Einnahme von Protonenpumpenhemmern (PPI) etwa sollte ein Abstand von mindestens vier Stunden eingehalten werden.
Bedtime-Variante ist gute Option
Auf der Suche nach Alternativen haben Forschergruppen geprüft, wie es sich mit der abendlichen Einnahme von LT4 verhält. Dabei zeigte sich, dass die Einnahme von LT4 vor dem Schlafengehen – natürlich nüchtern – zu einer mindestens gleichwertigen, wenn nicht sogar besseren Einstellung der SD-Hormone führte. „Die Einnahme von Thyroxin zur Schlafenszeit sollte im Verordnungsgespräch immer eine Rolle spielen“, so Karger. Dies könne auch die Compliance des Patienten verbessern.
Zudem sollte darauf hingewiesen werden, dass LT4 ausschließlich mit Wasser eingenommen werden darf. „Danach sollte man auch fragen, wenn die Werte bei der Kontrolle außer der Reihe sind“, so der Endokrinologe. Denn Milch und Kaffee behindern die Resorption teils erheblich. „250 ml Kuhmilch enthalten 300 mg elementares Kalzium, und hier steckt auch schon der Übeltäter“, erläuterte Karger.
Kalzium sei ein sehr starkes Adsorbens. LT4 binde an das Kalzium und der Darm habe gar keine Chance, es zu resorbieren. Dasselbe gelte auch für Kalzium, das zur Osteoporose-Prophylaxe oder aus anderen Gründen genommen werde. Dabei spiele es keine Rolle, ob es sich um Kalziumkarbonat, -citrat oder -acetat handelt.
Auch bei gleichzeitiger Einnahme von LT4 mit Kaffee komme es zu einem wesentlich verzögerten Resorptionsverlauf. Trinke der Patient den Kaffee 60 Minuten nach der LT4-Einnahme, dann sei das kein Problem mehr, da das LT4 bereits resorbiert sei, so Karger.
Wichtig: Medikamentenanamnese
Wonach ebenfalls unbedingt gefragt werden sollte, wenn eine ungewöhnlich hohe LT4-Dosis (> 2,0 μg / kg / KG / d) für das Erreichen einer euthyreoten Stoffwechsellage erforderlich ist, sind Medikamente. So können zum Beispiel PPI, Eisenpräparate, Antibiotika (etwa Ciprofloxacin) und Östrogene und die bereits erwähnten Kalziumpräparate die Resorption von Thyroxin zum Teil erheblich erschweren.
Belegt ist dies unter anderem in einer Studie aus Schottland. Hier wurden Daten von knapp 11 000 Patienten unter LT4-Medikation ausgewertet. Dabei stellte sich heraus, dass im Verlauf von sechs Monaten bei Einnahme von Eisen (0,22 mU / l, p < 0,001), PPI (0,12 mU / l, p < 0,01), Kalzium (0,27 mU / l, p < 0,001) und Östrogenen (0,08 mU / l, p < 0,007) der TSH-Wert deutlich gestiegen war. Erklärt wurde dies durch eine Einschränkung der LT4-Resorption in Folge der neuen Komedikation.
Liegt es an einer gastrointestinalen Resorptionsstörung?
Ist die Medikamentenanamnese unauffällig, sollte man sich die Frage stellen, ob der Patient eine gastrointestinale Resorptionsstörung entwickelt hat, empfahl Karger. So konnte bei Patienten mit atropher Gastritis, H.p.-Gastritis, Zöliakie, M. Crohn oder Leberzirrhose eine zum Teil deutliche Reduktion der LT4-Resorption nachgewiesen werden.
In einer Studie wurden Patienten mit Hypothyreose ohne eine Zöliakie und solche mit dieser chronischen Entzündung der Dünndarmschleimhaut hinsichtlich ihrer benötigten LT4-Dosis verglichen. Bei den Patienten ohne Zöliakie konnte bereits mit einer medianen LT4-Dosis von 1,2μg / kg / d eine Euthyreose erreicht werden, bei Patienten mit Zöliakie brauchte es hierfür 2,2 μg / kg / d. Verzichteten diese Patienten auf Gluten, sank die mediane LT4-Dosis signifikant ab.
Abschließend empfahl Karger bei Patienten, bei denen man nicht von der Begleitmedikation abrücken könne, oder bei solchen mit Leberzirrhose die Therapie mit Flüssig-LT4 in Erwägung zu ziehen. Das sei mit einer deutlich besseren Resorption assoziiert. Gegebenenfalls könne man auch versuchen, LT4 mit einem Vitamin C-haltigen Drink (einem Schuss Zitronensaft) einzunehmen. In einer kleinen Studie konnte so der TSH-Wert deutlich gesenkt werden.