Gastkommentar zur Schlafapnoe-Studie

Was hat der Patient wirklich davon?

Von Professor Georg Nilius Veröffentlicht: 10.01.2020, 11:24 Uhr

Eine wirksame und gut verträgliche pharmakologische Therapie von Obstruktionen der oberen Atemwege im Schlaf wäre ein großer Fortschritt in der Behandlung der Volkskrankheit obstruktive Schlafapnoe.

Insoweit bietet die aktuelle Studie zu der kombinierten Therapie mit bereits für andere Indikationen zugelassenen Medikamenten, einem Norepinephrin-Wiederaufnahme-Hemmer und einer breit wirksamen antimuskarinen Substanz, einen interessanten Ansatz für zukünftige Entwicklungen. Die Kombination beider Substanzen hat offenbar eine synergistische Wirkung auf den Tonus des Musculus genioglossus und kann so die Anzahl der Atmungsstörungen wirksam reduzieren.

Diese auf den ersten Blick beeindruckenden Ergebnisse dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Studie erst der Beginn eines langen Weges sein wird. Die mit dem Apnoe-Hypopnoe-Index AHI gemessene Anzahl der Atmungsstörungen im Schlaf ist nur ein Surrogatparameter für die Erkrankung.

Ziel der Behandlung ist Verbesserung der Lebensqualität

Aus Sicht des Patienten ist das Ziel der Behandlung nicht primär die Reduktion des AHI, sondern eine Verbesserung der Lebensqualität, die Reduktion der Tagesschläfrigkeit und der Unfallhäufigkeit am Tage sowie die Reduktion insbesondere von kardiovaskulären Folgeerkrankungen.

Ob dies mit der hier vorgestellten pharmakologischen Kombinationstherapie möglich sein wird, ist alles andere als klar. Im Verlauf der Nacht im Schlaflabor war sowohl die Pulsfrequenz signifikant erhöht und als auch tendenziell der Blutdruck.

Beides erfordert eine kritische Betrachtung und die Effekte auf die Schlafqualität müssen unbedingt weiter untersucht werden.

Insoweit bietet die Kombinationstherapie ATO-OXY interessante Perspektiven, aber noch ist eine gut gemachte CPAP-Therapie die beste Option für die Patienten. Weitere pharmakologische Ansätze mit Beeinflussung des Serotoninstoffwechsels oder sedierenden Substanzen zur Beeinflussung der Arousalschwelle werden folgen.

Professor Georg Nilius ist Direktor der Klinik für Pneumologie, Allergologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin am Klinikum Essen-Mitte; G. Nilius@kem-med.com

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