Massenimpfungen in den USA: Das war in den 70ern wirklich los.

Von Philipp Grätzel von Grätz

BERLIN. Medien berichten derzeit über eine Impfaktion anlässlich eines Schweinegrippe-Ausbruchs im Jahr 1976 in den USA. Damals traten vermehrt Guillain-Barré-Syndrome (GBS) auf. Ob es einen Zusammenhang mit der Impfung gab, konnte nie geklärt werden.

Bei der damaligen Impfaktion kamen Impfstoffe von vier Herstellern zum Einsatz, zum Teil Ganzvirusimpfstoffe, zum Teil Spaltimpfstoffe. In den sechs Wochen nach der Impfung kam es zu einer erhöhten Inzidenz von GBS bei Erwachsenen, nicht aber bei Kindern.

Es gab acht kontrollierte Studien dazu. Demnach traten 4,9 bis 11,7 zusätzliche Fälle pro eine Million Impfungen auf. Ob es wirklich einen Kausalzusammenhang mit der Impfung gab und wenn ja, wie dieser aussah, ist bis heute nicht geklärt.

"Wir wissen, dass diese Impfstoffe allesamt kein Adjuvanz enthielten", betonte Professor Johannes Löwer, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Befürchtungen, wonach die bei den Pandemie-Impfungen eingesetzten Adjuvanzien das GBS-Risiko erhöhten, können demnach nicht mit der USA-Episode begründet werden. Es gab auch keine Korrelation mit dem Impfstoff eines spezifischen Herstellers. Das setzt hinter die These eines kausalen Zusammenhangs mit der Impfaktion zumindest ein Fragezeichen, da sich die Impfstoffe deutlich unterschieden.

Dass Grippeimpfungen per se mit einem erhöhten GBS-Risiko einhergehen, gilt als weitgehend widerlegt. Nach Löwers Angaben gab es zur saisonalen Grippeimpfung bisher neun kontrollierte Studien im Hinblick auf die GBS-Inzidenz. In sieben Studien gab es keinen Zusammenhang, in zwei Studien war das Risiko geringfügig erhöht.

Auf Diskussionen zum Thema GBS stellt sich das PEI jedenfalls ein. Denn bei einer Massenimpfung bleibt es nicht aus, dass Erkrankungen mit der Impfung zeitlich zusammenfallen. "Diese Diskussionen werden kommen. Und sie werden nicht einfach, weil uns in Deutschland bei vielen Erkrankungen die epidemiologische Basis fehlt, um Angaben zur normalen Inzidenz in einem normalen Herbst machen zu können", so Löwer.

Lesen Sie dazu auch: Pandemie - Deutschland impft nur gezielt Kassen gehen auf Distanz zu ihrem Spitzenverband

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